Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich. Psalm 16,1
Die Zürcher Bibel übersetzt: «Behüte mich, Gott, denn bei dir suche ich Zuflucht.» Das Verb «Zuflucht suchen» und das Substantiv «Zuflucht» haben eine konkrete Bedeutung. Die Klippdachse, die wie Meerschweinchen aussehen, finden in den Spalten zwischen den Felsen einen geschützten Lebensraum: einen Unterschlupf, in den sie immer wieder zurückkehren (Psalm 104,18). Das Dach einer Hütte bietet Schatten, wenn die Sonne brennt, oder Schutz vor einem starken Regen. (Jesaja 4,6)
Heute braucht man das hebräische Wort, das als Verb mit «Zuflucht suchen» übersetzt wird, für den Luftschutzkeller, der einen vor kriegerischer Gewalt bewahrt, wie auch für eine Institution, in der verwaiste Kinder oder Menschen mit einer Behinderung betreut werden. In der Sprache der Psalmen wird «Zuflucht suchen» zu einem umfassenden Ausdruck dafür, dass Menschen Geborgenheit suchen und sie in der Beziehung zu Gott finden. Nötig haben dies nicht nur «die anderen», die vielleicht zu einer besonders vulnerablen Gruppe gehören. Alle machen die Erfahrung, dass sie äusseren Gefahren, aber auch inneren Verunsicherungen ausgesetzt sind. Menschliche Beziehungen geben einen gewissen Halt, können aber auch enttäuschen. Die Hinwendung zu Gott ist der Weg zu einer Zuflucht, die nicht von äusseren Faktoren abhängig ist. Viele Psalmen helfen, dieses Vertrauen zum göttlichen Du zu vertiefen.
Von: Andreas Egli