Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. Psalm 50,1
Vom Aufgang der Sonne geht es im Dreiklang hinauf zum Zenit der Oktave, bis die Sonne wieder untergeht und im selben Dreiklang zum Grundton sinkt. Und dann noch einmal! Jetzt geht es in kleineren Tonschritten beschwingt die Leiter hinauf und wieder hinunter.
«Vom Aufgang der Sonne» (RG 69/EG 456) ist ein beliebter vierstimmiger Kanon, der den Tageslauf musikalisch nachempfindet und mit der Zeile «Gelobt sei der Name des Herrn!» endet. Das ist zwar beschaulich und erbaulich, verkürzt jedoch den Psalm, der davon singt, was Gott den lieben langen Tag der Welt zu sagen hat. An die Frommen geht die Botschaft: «Glaubt nur ja nicht, dass ich auf eure Schlachtplatten und Blutwürste angewiesen bin. Ich habe genug zu essen. Bringt mir lieber Dankopfer und ruft mich an in der Not!» Den Frevlern hält Gott eine Standpauke: «Redet nicht falsches Zeugnis und verachtet das Gesetz nicht. Passt besser auf. Mit mir ist nicht zu spassen.»
Das muntere Loblied, das die Sonne auf- und untergehen lässt, spart also die Zwischentöne aus, die an Gottes Gerechtigkeitssinn erinnern.
Stört es den Wohlklang?
Ich finde nicht.
C’est le ton qui fait la musique!
Von: Ralph Kunz