Hab acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre
in diesen Stücken! Denn wenn du das tust, wirst du dich selbst retten und die, die dich hören.
1.Timotheus 4,16

Die Zeile aus dem Brief, vermutlich eines Paulusschülers, der an den Episkopus (Vorsteher) der Gemeinde in Ephesus adressiert ist, gehört zu den Pastoralbriefen. Sie sind in der zweiten und dritten Generation der frühen Kirche entstanden. Sowohl Absender als auch Adressat sind fiktiv, das heisst, der Brief ist ein Pseudoschreiben, das nicht aus der Feder des Paulus stammt und über Ephesus hinaus auch in anderen Gemeinden Kleinasiens gelesen werden soll. Auffällig ist der Nachdruck auf die rechte Lehre. Das tönt streng. Der Grund wird in den ersten Versen des Kapitels genannt: Es gab offensichtlich «Lehren von Leuten, die sich verstellen und die Wahrheit verdrehen» (Vers 3). Sie warnten vor dem Genuss bestimmter Speisen und hatten ihre Vorstellung einer heilsnotwendigen Diät. Das tönt ziemlich aktuell. Ich denke an (superstrenge) Veganer und weiss nicht, ob ich es beruhigend oder beunruhigend finde, dass sich schon unsere Vorfahren nicht einig waren, was ihnen guttut und was nicht. Wenn man mir mein Fondue verbietet, hört bei mir jedenfalls der Spass auf. Darum bin froh, hat es der Timotheusbrief ins Neue Testament geschafft. Die Lehre bringt es ziemlich gut auf den Punkt: «Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es mit Danksagung empfangen wird.» (Vers 4) Alles andere wäre Käse, oder?

Von: Ralph Kunz