Wer die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind. Johannes 3,21
Wahrheit ist ein grosser, aber auch schwieriger Begriff geworden in unserer Zeit, da die Frage, was denn richtig oder falsch ist, immer schwieriger zu beantworten ist. Obwohl oder vielleicht gerade weil wir immer mehr Wissen anhäufen, ist es umso anspruchsvoller geworden, uns zu orientieren, was uns guttut, welche Meinung wir vertreten oder wie wir einer Herausforderung begegnen sollen.
Und doch sehnen wir uns nach einem inneren Kompass, der uns dabei hilft, Orientierung zu finden oder eine Haltung einzunehmen, die uns wahrhaftig erscheint im Sinne von richtig und echt.
Die Wendung «Wahrheit tun», wie sie in diesem Johannesvers steht, geht davon aus, dass Wahrheit nicht einfach etwas fest Gegebenes ist, das uns gepredigt wird, sondern etwas, das wir uns selbst aktiv täglich erarbeiten müssen. Wahrheit tun ist aber auch nicht irgendein beliebiger Akt, sondern mit dem Anspruch verbunden, dass wir dem Kern unserer eigenen Wahrheit, und möge sie noch so unbequem sein, ständig weiter begegnen.
Diesen Vers lese ich als Aufruf, unserer eigenen Wahrheit täglich nachzuspüren, als wäre es eine Entdeckungsreise zu uns selbst: erwartungsfrei, unverblümt, leidenschaftlich, versöhnlich.
Von: Esther Hürlimann