Ich harrte des HERRN, und er neigte sich zu mir
und hörte mein Schreien.
Psalm 40,2

David hat Schweres erlebt. Er schreit zu Gott und bittet um sein Eingreifen. Und Gott, die Lebendige, hat sein Schreien gehört. Es sind zwei Gedankenstränge, die mir entgegenkommen. Der erste ist das Harren, ist mehr als warten. Es ist die innere Stimme, die schreit. David hofft aktiv auf Gottes Eingreifen. Er tut etwas. Er gibt seiner inneren Stimme Raum. Habe ich das Harren weggesteckt in meinem Herzen? Oder kann ich mir Zeit nehmen, um auf die innere Stimme zu hören, und ihr die Bedeutung geben, die ihr zusteht? Der zweite Gedankenstrang betrifft das Zuhören. Wie befreiend ist es doch, wenn mir jemand zuhört, auf meine Klagen eingeht, wenn es mir nicht gut geht! Hörende Menschen, die sich zu mir neigen, sind ein Geschenk. Nur ist da so oft auch etwas dazwischen. Ich will nicht klagen, ich muss doch stark sein, ich will gar nicht, dass jemand sich zu mir neigt, es könnte heissen, dass ich etwas ändern muss. Und: Kann ich zuhören, ohne von mir zu reden, oder habe ich das verlernt? Die Lebendige neigt sich uns zu. Der Psalm spricht von Errettung aus dem Leid. Aus dem Zuhören Gottes erwächst Kraft, Hoffnung, Würde. Und wie heisst es doch in einem alten Lied:
«Harre, meine Seele, harre des Herrn, alles ihm befehle, hilft er doch so gern. Sei unverzagt, bald der Morgen tagt.»

Von: Madeleine Strub-Jaccoud