HERR, deine Augen, sind sie nicht auf Treue gerichtet? Jeremia 5,3
In Jerusalem sind die Strassen leer. Es sind nur Heuchler und Lügner zu finden. Gott hat sie geschlagen, aber es schmerzt sie nicht. Ihre Gesichter sind so hart wie Fels. Da hinein fragt der Prophet, ob Gottes Augen nicht auf Treue gerichtet seien. Die verstörenden Bilder beschreiben, wie das Volk von Gott abgefallen ist. Lange musste ich darüber nachdenken, welches Bild von Gott in diesem Text beleuchtet wird. Gott hat das Volk bestraft. Wieder kommen mir, wenn ich den Text weiterlese, verstörende Bilder entgegen, diesmal in der Rede Gottes, der Lebendigen. Sie fragt, ob sie das Volk nicht bestrafen soll. Und da finde ich in dieser Rede eine Antwort: Die Missetaten sollen geahndet werden. Die Ernte soll Einbussen haben, aber nicht vernichtet werden. Das ist der Weg, den die Lebendige dem Volk zumutet. Sie vernichtet nicht!
Gott, die Lebendige, mutet den Menschen schwierige Situationen zu, Situationen, die auch Fehler enthalten. Ich denke an die vielen Kriege, Verletzungen der Menschenrechte, Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Auf Treue gegenüber der Lebendigen sind meine Augen gerichtet, denn sie vernichtet nicht. Und so wird die heutige Losung zu einem Hoffnungswort, Hoffnung auf Leben.
Danke, dass du nicht vernichtest, sondern die Menschen liebst.
Von: Madeleine Strub-Jaccoud