Der HERR sprach zu Mose: Du hast Gnade vor meinen
Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen. 2. Mose 33,17
Für mich ist die Klarheit, mit der hier der Dialog zwischen
Menschen und Gott dargestellt wird, stets eines der faszinierenden
Elemente jüdischen Glaubens. Die heutige Losung
ist in ihrem Vor- und Nachlauf eine deutliche Beschreibung
dafür. Mose debattiert mit Gott darüber, was Gnade für
ihn für Folgen hat. Was bedeutet, Gnade vor Gott gefunden
zu haben? Da ist das persönliche Angenommensein,
um das Mose weiss. Dies, verbunden mit der Aussage «Ich
kenne dich mit Namen», ist ihm zugleich Verlangen nach
mehr. Wenn Gott betont, dass er Mose im Blick hat und
dieser Gnade vor seinen Augen gefunden hat, dann, so Mose,
soll er sich ihm gefälligst zeigen. Mose fordert einen Beweis
für Gottes Gnade. Das ist uns nicht ganz unbekannt. Der
Ausgang der Geschichte aber ist bekannt: Gott verweigert
Sichtbarkeit. Vielmehr fordert er, dass sich Mose auf einmal
gemachte Zusagen einlässt. Dieses Einlassen ist es, was
für mich Vertrauen in Gott heisst. Die Passage, aus der die
Losung stammt, enthält einen weiteren, mich beeindruckenden
Aspekt. Gott verweigert Mose den Blick ins Angesicht,
er verweigert ihm aber nicht den Blick im Nachhinein. Dort,
wo erkennbar wird, dass Gott in unserem Leben vorübergegangen
ist, uns kennt und uns begleitet hat.
Wie war das 2025? Wie in unserem bisherigen Leben?
Von: Gert Rüppell