Bringe uns, HERR, zu dir zurück, dass wir wieder
heimkommen; erneure unsre Tage wie vor alters!
Klagelieder 5,21

Genau das tut Gott! Heute an Weihnachten feiern wir, wie
Gott es tut. Er bringt uns nicht zurück zu sich, sondern bringt
sich zu uns, bringt sich im Kindlein zur Welt. Die Klagenden
kehren nicht einfach in etwas zurück, das sie verloren haben.
Sie werden in ihrer Verlorenheit mit Licht beschenkt. Gott
füllt ihre Leere mit seiner Gegenwart. Und alles erscheint in
neuem Licht, weil nichts mehr gottfern und gottlos, sondern
alles gottvoll ist.
Alle Heimatlosen und Vertriebenen, alle Verlorenen und
Verirrten, alle Geplagten und Erschöpften, aber auch die
Satten und Stolzen, die Zufriedenen und Erfolgreichen – sie
alle bekommen diese Gottesgegenwart geschenkt. Manche
sind viel zu beschäftigt, das Geschenk entgegenzunehmen,
und sie lassen es achtlos irgendwo liegen.
Doch immer wieder begreift die eine oder der andere, was
sie da in Händen und im Herzen halten, und ihre Klage verwandelt
sich in den Weihnachtsjubel: Gott lässt uns nicht
im Alten, Bekannten, Abgenutzten sitzen, sondern – wie
wir im Weihnachtslied «Lobt Gott, ihr Christen allzugleich»
singen: «… heut schleusst er wieder auf die Tür zum schönen
Paradeis».

Von: Benedict Schubert