Weh dem, der sein Gut mehrt mit fremdem Gut –
wie lange wird’s währen? Habakuk 2,6

In Zeiten politischer und moralischer Krisen nehmen Gewalt,
Ausbeutung und Ungerechtigkeit zu. Menschen häufen
Reichtum, Macht oder Vorteile auf unrechtmässige Weise
an – damals in den Tagen Habakuks, genau wie heute.
«Wie lange wird’s währen?» Diese Frage erklingt als Weckruf,
als Warnung an die Täter und gleichzeitig als Hoffnungszeichen
für die Opfer. Wer sich auf Kosten anderer bereichert,
hat auf Sand gebaut. Die scheinbare Macht und der
angehäufte Besitz der Gewalttäter sind vergänglich – Gottes
Gerechtigkeit wird sie einholen, so sicher, wie der nächste
Morgen einer dunklen Nacht folgt!
Dieser Vers richtet den Blick auch auf uns selbst. Er fragt nach
unserer Haltung und Lebensweise:
Wo lebe ich vielleicht von «fremdem Gut» – nicht nur
materiell, sondern auch, indem ich mir Anerkennung, Zeit
oder Ideen anderer aneigne, ohne zu geben?
Bin ich dankbar und zufrieden mit dem, was Gott mir
anvertraut hat, oder treibt mich ein ständiges «Mehrhaben-
Wollen»?
Die Worte des Propheten laden uns ein, nicht auf den
kurzfristigen Vorteil zu setzen, sondern auf Gottes bleibende
Gerechtigkeit zu bauen.

Von: Barbara Heyse-Schaefer