Josef tröstete seine Brüder und redete freundlich
mit ihnen. 1. Mose 50,21
Was für eine Losung, Lars. Josef tröstet nach dem Tod des
gemeinsamen Vaters seine Brüder, obwohl sie ihm früher
übel mitgespielt haben. Josef spendet seinen Brüdern Trost.
Ist Trost eine Gabe, ein Geschenk? Das Trostspenden Josefs
unter schwierigen Voraussetzungen deutet darauf hin. Haftet
dem Trost etwas Altmodisches an? In den Verwerfungen
unserer Tage gehört der Trost eher zu den angeschlagenen
Wörtern: billiger Trost, falscher Trost, Trostpreis, nicht bei
Trost sein … Gleichwohl sehne ich mich nach Trost – gerade
in diesen Vorweihnachtstagen.
Wenn ich damals eines meiner Kinder in den Arm nahm,
nachdem es sich gestossen hatte, wurde es irgendwann ruhiger.
Der Schmerz, der Schreck war nicht mehr so schlimm.
In der Geborgenheit konnte es die Augen wieder heben und
danach zurück in den Alltag gehen. Ist Trost so etwas wie
eine Insel, auf der ich mich in eine starke Beziehung zurückziehen
kann? Da kann ich auftanken, aufatmen. Mir geht es
wie dir: In diesen langen dunklen Tagen sind wir besonders
(trost-)bedürftig. Danke, dass du das so frei zugibst. Meistens
überspielen wir das ja mit Geschäftigkeit. Vielleicht sollten
wir uns lieber verabreden und zusammen Kekse essen und
Kaffee trinken? Altmodisch? Das spielt keine Rolle. Hauptsache,
wir reden freundlich miteinander. Das kriegen wir hin.
Von: Lars Syring und Chatrina Gaudenz