Weh denen, die Böses tun und Gutes böse nennen,
die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis
machen. Jesaja 5,20

Situationen bewusst und willentlich zu verdrehen, ist
Machtausübung, ist Manipulation. Sie dienen meinen Zielen.
Sie gehören zum Arsenal menschlichen Vorgehens in der
Politik, in der Wirtschaft, im Recht, in der Moral, im Zusammenleben
bis in die kleinsten und engsten Zusammenhänge
der Familie und der Beziehungen hinein. Und sie sind böse,
Ausdruck eines bösen Willens, Ausdruck der Verachtung.
Auch wenn sie fast harmlos daherkommen, setzen sie mich
unter Druck, reizen mich zur Abwehr oder zum «Umegää»
(Heimzahlen) – und schon sind wir mitten im Unfrieden, im
gegenseitigen Verdächtigen, in Reaktion und Gegenreaktion,
in einer Spirale der Eskalation. Über sie ergeht hier ein Wehruf.
Im Hebräischen ist das noch heftiger: Es ist die Vorwegnahme
einer Totenklage! Jesaja fragt seine Landsleute, ob sie
das wirklich wollen. Ob sie wirklich wollen, dass so Leben
verdorrt und zum Ende kommt. Er geht hart ins Gericht mit
ihnen und dem, was sie tun, gegeneinander und gegen Gott.
So weit muss und so weit soll es nicht kommen! Dort, wo ich
Verdrehungen sehe, will ich versuchen, sie zu stoppen. Jedenfalls
sie als das benennen, was sie sind. Bei Jesaja geschieht
das nicht nur um meinet- oder unseretwillen, sondern auch
um Gottes willen. Denn Gott verdreht nicht, er dreht wieder
gerade. Darauf kann ich bauen, und darum kann ich bitten …

Von: Hans Strub