Ich bin dein, hilf mir. Psalm 119,94
Wir kennen sie möglicherweise, diese Aussage: Ich bin dein. Eine Aussage einem geliebten Menschen gegenüber, dem man sich ganz und gar anvertraut. Auch gibt es ein Kindergebet, das ich von früher kenne: «Ich bin dein, mein Herz ist rein, lass niemand drin wohnen als Jesus allein.» Mein Herz ist ohne Falsch und Trug. Diese Aussage stimmt wohl für beide erwähnten Zusammenhänge und auch für den Psalmisten. Psalm 119 ist eine grosse Aufzählung von Fallstricken des Lebens, die einem das unbedingte Zugehörigkeitsbewusstsein recht erschweren können. Und doch spricht aus dem grossen Gebet eine kleine Wahrheit. «Ich bin dein, hilf mir.» Ja, ich habe mich dir verpflichtet, aber ohne deine Hilfe schaffe ich es möglicherweise nicht, standhaft zu bleiben. Also bitte, hilf mir! Ich denke, dass dies über die Jahrtausende hinweg zwischen Mensch und Gott, aber auch von Mensch zu Mensch eine Konstante geblieben ist. Ja, ich bin dir zugewandt, aber bei allen Wirrnissen und möglichen Fallstricken brauchen wir einander als Stütze. Von Gott her brauchen wir die Gewissheit, dass seine Gnade uns beständig hält. Von unseren Mitmenschen und für unsere Mitmenschen benötigen wir den Willen, uns beizustehen, wenn die eigene Kraft nicht ausreicht. Dann können, dann sollten wir unseren Mitgeschöpfen, Partnern, Lebensgefährtinnen immer mal wieder zurufen: Ich bin dein und helfe dir aus all meiner Schwachheit heraus, so wahr mir Gott helfe.
Von: Gert Rüppell