Nur Hauch sind die Menschen, Trug die Sterblichen. Auf der Waage schnellen sie empor, allesamt leichter als Hauch.
Psalm 62,10
Der Psalm 62 setzt mit den Worten ein: «Zu Gott allein ist meine Seele still.» Welche Erfahrung geht diesen Worten voraus? Ich lese weiter und komme zum heutigen Vers. Er erinnert mich an die Psalmworte: «Wir sind nur ein Hauch» (Psalm 39,12), «haben kein Gewicht» (Psalm 62,10), «sind Staub» (Psalm 103,14). Sucht da eine mitten in der Vergänglichkeit ihres Lebens, mitten in der Fülle und den Abgründen, die einsam machen können, nach einem Gegenüber, das ihr Schwerkraft verleiht? Boden unter den Füssen gibt? Und sie dadurch still werden lässt?
Für alle, die noch nicht ganz ihre Bikinifigur erreicht haben, klingt das ja ziemlich verlockend. Leichter als ein Hauch. Und für alle, die sich so unendlich (schwerge-)wichtig nehmen, ist es der blanke Horror. Ich bin sehr zufrieden mit dieser Leichtigkeit. Sie entwickelt sich in der Stille vor Gott. Weil mir da immer klarer wird, dass ich weder mein Körper noch meine Gefühle noch meine Gedanken bin. Vor Gott bin ich ganz Gottes. Das nimmt mir die Last und macht mich leicht und licht. So weht es mich sanft zu Gott hinüber.
Von: Lars Syring / Chatrina Gaudenz