Jesus sprach: Ihr sollt nicht meinen, dass ich
gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten
aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen,
sondern zu erfüllen. Matthäus 5,17
Dieser Vers führt uns mitten in eine Szenerie, die so etwas
wie die Essenz des Neuen Testaments ist. Die Bergpredigt,
aus der dieser Satz stammt, zeigt uns Jesus als eine Art
neuen Mose, der statt vom Sinai zum jüdischen Volk nun
von einem Berg zu seinen Jüngern spricht.
Fast etwas penetrant wiederholt sich zweimal hintereinander
die Formulierung «Ich bin nicht gekommen, aufzulösen
». Damit zielt Jesus auf die menschliche Neigung, lieber
alles über den Haufen zu werfen, statt einen Wandel zuzulassen.
Sich ganz zu trennen, scheint manchmal der einfachere
Weg zu sein, als etwas Bewährtes in eine neue Lebenssituation
zu übersetzen. Jesus betont in der Bergpredigt die ewige
Gültigkeit von Gottes Geboten, die unser Zusammenleben
regeln, und fordert, diese den sich wandelnden gesellschaftlichen
Umständen anzupassen. Die Weisungen aus alter Zeit
sind nicht falsch, sagt er. Es geht darum, ihren eigentlichen
Kern auch in veränderten Zeiten zu bewahren. Schauen wir
auf das aktuelle Miteinander auf unserem Planeten, kommt
uns diese Haltung besonders kostbar vor. Nehmen wir diesen
Appell an, indem wir die Hoffnung auf ein friedliches Miteinander
nicht aufgeben und indem wir in unserem Alltag
an den Geboten des Respekts und des Anstands gegenüber
unseren Nächsten festhalten.
Von: Esther Hürlimann