Wo viel Worte sind, da geht’s ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen im Zaum hält, ist klug. Sprüche 10,19

Wir kennen diese biblischen Worte in der etwas kompakteren Version «Reden ist Silber, Schweigen ist Gold», deren Urheberschaft nicht gesichert ist. Ein möglicher Autor ist der heilige Benedikt, der mit seinen Regeln das Zusammenleben der Mönche und Nonnen regelte und Hilfestellungen für das geistliche Leben formulierte. Zwar ist «Lippen im Zaum halten» nicht ganz dasselbe wie «Schweigen». Unabhängig davon stellt sich die Frage: Was soll besser daran sein, wenn wir weniger reden, statt unseren Worten einfach freien Lauf zu lassen? Benedikt dachte an die Stille, die der Gottsuche oder auch dem inneren Frieden im Schweigen mehr freien Raum lässt. Vermutlich aber dachte er auch an das Vermeiden von Konflikten, die mit Worten ausgetragen werden. Wir heutigen Menschen aber sind zum Glück mit der Devise aufgewachsen, dass es oft besser ist, die Dinge aus- oder anzusprechen, als sie in uns hineinzufressen. Trotzdem sehnen wir uns nach Momenten des Schweigens. Unsere vernetzte Welt sorgt dafür, dass wir ungefragt und ständig mit den Meinungen anderer konfrontiert werden. Daher sind wir mehr denn je gefordert, uns die Zeiten des Schweigens wie auch des Redens bewusst einzuteilen. Denn wir brauchen beides: Momente, in denen wir still sind und nach innen horchen, und Momente, in denen wir uns ausdrücken und im Reden mit anderen Menschen verbinden. Schätzen wir uns dann klug, wenn uns heute diese Balance gelingt.

Von: Esther Hürlimann