Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er bei ihnen lange warten? Lukas 18,7

Jesus erzählt seinen Leuten ein Gleichnis. Er will ihnen zeigen, «dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollen» (Vers 1). Und dann kommt die Geschichte vom ungerechten Richter, der einer Witwe nur deshalb Recht verschafft, weil sie ihn nervt. Immer wieder kommt sie zu ihm und bedrängt ihn. Sie besteht auf ihrem Recht. Und das ist ihr gutes Recht! Als er Angst bekommt, dass sie handgreiflich wird, lenkt er ein. Heisst das jetzt, dass ich Gott so lange nerven soll, bis ich zu meinem Recht komme? Das kann ich mir nicht vorstellen.


Wie würdest du Gott nerven wollen, Lars? Wie geht das, Gott nerven? Ich kann mir das nicht vorstellen. Auch frage ich mich, ob die Auslegung des Gleichnisses Jesu nach Vers 1 wirklich die einzig mögliche ist … Das Schöne an der heutigen Losung finde ich, dass sie als Frage formuliert ist; okay, als rhetorische Frage, die zwischen den Buchstaben zum Himmel schreit: Doch, doch, Gott wird denen, die Tag und Nacht zu ihm rufen, Recht schaffen! Aber als Losung ist und bleibt der Vers eine Frage. Vielleicht wird er, vielleicht auch nicht. Und überhaupt: Wann lieben, schlafen, träumen und umarmen sich die, die Tag und Nacht zu Gott rufen?

Von: Lars Syring und Chatrina Gaudenz