Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille
Gottes in Christus Jesus für euch.
1. Thessalonicher 5,18

«Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar
in allen Dingen …» (Verse 16–18). Das ist mir heute zu viel
der hehren Worte. Ja, die Gemeinde in Thessaloniki gilt als
vorbildlich
(Kapitel 1,7); sie ist fest im Glauben und Lieben,
im Gottvertrauen verankert (Kapitel 3). Und gleichzeitig
steht sie in heftigen Auseinandersetzungen, wird angefeindet
und bedroht. Dankbar in allen Dingen?
Ich denke an die Kriege, die uns erschüttern, an Hass,
Verachtung
und Gewalt, die so Raum greifen, an Menschen
in meiner Umgebung, die schwer erkrankt sind oder im
Sterben liegen. Dankbar in allen Dingen? Wenn die vertraute
Welt aus den Fugen gerät? Wenn (mein) Gottvertrauen
brüchig wird? – Ich denke an Hiobs Worte: «Haben wir
Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch
annehmen?» (Hiob 2,10) Aber dann folgt auch bei ihm die
Klage über all das Unglück, das über ihn hereingebrochen ist:
«Warum bin ich nicht gestorben im Mutterschoss?» (3,11)
Ich kann die Spannung nicht auflösen. Vielleicht liegt der
Unterschied in dem kleinen Wort «in» – dankbar in allen
Dingen, nicht für. Vielleicht schafft Dankbarkeit (griech.
auch Anmut und Gnade) einen (Frei-)Raum (um mich),
einen Raum zum Atmen, der mich in (heilsame) Distanz zu
«den Dingen» bringt. Vielleicht ist es eine tägliche Übung,
die mich aufrichtet und ausrichtet auf Gottes Gnade hin?

Von: Annegret Brauch