HERR sei mir gnädig, denn ich bin schwach; heile
mich, HERR, denn meine Seele ist sehr erschrocken.

Psalm 6,3.4

Es ist schwierig, aus dem Erschrecken herauszufinden. Manchmal
sind es ja Kleinigkeiten, die uns erschrecken, etwa wenn
etwas in die Brüche geht. Manchmal sind es tiefgehende
Erfahrungen, die nach Heilung rufen. Die Heilung kommt
auch bei intensiven Gebeten nicht sofort. Es ist, als ob Gott,
die Lebendige, sich Zeit liesse. Ist es gerade diese Zeit, in
der ich mir meiner Schwachheit so richtig bewusst werde?
Ist es diese Zeit, die mich zum Nachdenken führt? Denke
ich über die Heilung nach? Ungezählte Menschen, Kinder,
Frauen, Männer als Soldaten brauchen Heilung von ihren
Kriegstraumata. Sie sind zutiefst erschrocken. Lässt sich die
Lebendige da auch Zeit, oder schenkt sie Heilung? Stimmt es,
dass die Zeit Wunden heilt? So einfach scheint mir das nicht.
Bestimmt gibt es Menschen, die Hilfe erfahren in ihrer Situation,
aber das bedeutet nicht, dass sie Heilung erfahren. Mir
ist es wichtig, mir diese Tatsache immer wieder vor Augen
zu führen. Unsere Welt macht uns verletzlich. Und da gibt es
für mich eigentlich nur eines: das Bewusstwerden, wie nötig
Heilung ist. Ich kann die Lebendige darum bitten. Ich kann
für die Menschen beten, für sie eintreten, die Augen nicht
verschliessen, selbst zu erschrecken in meiner Seele.
Sei du den Menschen in den Kriegssituationen ganz nahe.

Von: Madeleine Strub-Jaccoud