Schlagwort: Reinhild Traitler

7. Februar

Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben,
werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch
widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass
ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Johannes 15,7–8

Als Kind habe ich felsenfest geglaubt, ich müsste nur intensiv
an etwas denken und ständig darum bitten, und es ginge
in Erfüllung. So habe ich also eifrig und unaufhörlich gebetet,
um alles in meinem Leben, sogar um die damals kostbare
Tafel Schokolade – Gott würde meine Bitten erfüllen,
schliesslich war er allmächtig, und er liebte seine Menschen
und wollte ihnen Gutes tun.
Als ich älter wurde, dachte ich manchmal, das sei vielleicht
doch etwas zu kurz gegriffen. Was sollte Gott wohl anfangen
mit all den Schurken, die ungestraft umherlaufen? Sollte ich
mich zum Richter aufschwingen und entscheiden, ob der
Daumen rauf oder runter gedreht werde, ähnlich wie bei
einem Boxkampf?
Noch ein wenig später kam die Erkenntnis, dass es nicht
darum geht, sich zu rächen und Böses mit Bösem zu vergelten.
Interessant, aber unrealisierbar?
Überhaupt ging es mehr und mehr darum, einfach in der
Liebe zu bleiben. Verbunden bleiben mit Gott und den Menschen
hiess zunehmend auch, in der Liebe zu wachsen.

Von: Reinhild Traitler

31. Januar

Kehrt zurück, ihr abtrünnigen Kinder, so will ich euch heilen von eurem Ungehorsam. «Siehe, wir kommen zu dir, denn du bist der HERR unser Gott». Jeremia 3,22

Ungehorsam – in vielen Gesellschaften eine Verhaltensweise, die das Zusammenleben der Menschen erschwert. Eine Krankheit, die geheilt werden muss. Ihr Symptom ist es, sich zu verschliessen, nicht zu hören auf das, was andere Menschen uns sagen möchten, was Gott uns sagen will; sich abzutrennen vom Leben in Gott, unfähig, auf das zu hören, was er uns sagen will.

«Ungehorsam» kommt von «nicht hören» und «abtrünnig» von «trennen». Schon zu seiner Zeit klagt der Prophet Jeremia: «Ach, mit wem soll ich noch reden und wem soll ich Zeugnis geben? Dass doch jemand hören wollte. Aber ihr Ohr ist unbeschnitten, sie können’s nicht hören. Siehe, sie halten des Herren Wort für Spott.» (6,10)

Diese bittere Klage richtet sich gegen eine von Müssiggang und Reichtum verwöhnte Oberschicht, die die Zeichen des Angriffs durch fremde Mächte nicht wahrhaben und sich in ihrem lasziven Lebensstil nicht stören lassen will. Die nicht hört auf die Klage der Armen.

Und doch ist da auch die Erinnerung an die Verheissungen Gottes für das Volk. Du bist der HERR, unser Gott. Du wirst uns heilen. Und uns neues Leben schenken.

Hoffnungen stellen sich ein! Hoffnungen auf offene Ohren und Herzen!

Von Reinhild Traitler