Schlagwort: Markus Bürki

7. Juni

Sie trieben Jesus aus Nazaret hinaus – bis an den
Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war. Dort
wollten sie ihn hinunterstürzen. Aber Jesus ging mitten
durch die Menge hindurch und zog weiter.
Lukas 4,29–30

In diesem Abschnitt des Lukasevangeliums wird spürbar,
wie mächtig die Kraft von Jesus ist. Wie schön ist doch das
Bild, wenn wir uns in der heutigen Zeit vorstellen, dass dieser
kräftige Jesus einfach alle Machthungrigen und Besessenen
von ihren Übeltaten befreit und sie kurzum zu Mitarbeitenden
für eine lebenswerte Zukunft macht. Das Reich
Gottes schreit – Trump, Musk und viele andere schreien
lauter. Jesus war meiner Meinung nach ein Randständiger
ohne Master in Theologie, er hatte keinen festen Wohnsitz,
kein fettes Bankkonto und kein Smartphone. Geschrien hat
er auch selten. Wie kann so einer so berühmt und für so viele
Menschen so wichtig werden? Wie kann er einfach mitten
durch die Menge gehen, ohne dass ihm jemand was anhaben
kann? Seine Macht schien unendlich und doch wissen
wir, wie es gekommen ist. Andere schrien noch lauter und
schon war es vorbei mit der Glückseligkeit. Der Erlöser starb.
Wie geht es weiter? Für mich kann es unmöglich Zufall sein,
dass Jesus berühmt geworden ist. Zufall und Christianisierung
hätten diese Geschichte nie im Leben zur Nummer
eins der Weltliteratur machen können. Was steckt da genau
dahinter? Das ist es, was mich seit Jahren antreibt, diesem
Jesus auf der Spur zu blieben. Ich kann es nur empfehlen.

Von: Markus Bürki

8. April

Der HERR, euer Gott, ist gnädig und barmherzig
und wird sein Angesicht nicht von euch wenden,
wenn ihr euch zu ihm bekehrt.
2. Chronik 30,9

Bekehren. Auch wieder so ein Wort. Okay, ja, es gibt in meinem Leben einen Entscheid, bei dem ich mir gesagt habe, dass ich von nun an mit Gott unterwegs sein möchte – aber bekehren klingt für mich wieder so ultraradikal.
Wie dem auch sei. Der Vers sagt mir, dass mein Gott, wenn ich mich denn zu ihm bekenne, gut zu mir sein wird. Er tut dies, weil er gnädig und barmherzig ist, gar nicht anders kann.
Und wenn ich Krebs kriege und todkrank bin? Ist mein Gott dann auch noch gnädig und barmherzig zu mir?
Oder wenn ich eine grosse «Sünde» begehe (siehe Text von gestern), ist mein Gott dann immer noch gnädig und barmherzig zu mir?
Ich wünsche es mir sehr, denn ich glaube daran, dass sich Gott nicht von mir abwendet, egal, wie schlecht es mir gerade geht oder welchen Mist ich gebaut habe. Das ist kein Freipass für ein Leben ohne Grenzen – aber es beruhigt mich, dass mein Gott auch da ist, wenn mein Kind krank ist oder dereinst meine Eltern sterben. Auch das ist keine Versicherung für ein gelingendes Leben, aber es hilft mir, mit dem Leben und den darin enthaltenen Schmerzen fertigzuwerden. Und dafür bin ich meinem Gott unendlich dankbar.

Von: Markus Bürki

7. April

Wer nun weiss, Gutes zu tun, und tut’s nicht,
dem ist’s Sünde.
Jakobus 4,17

Sünde ist ein anstrengendes Wort. Sündig, der Sünder, die Sünderin … irgendwie aus der Zeit gefallen. Und doch, wenn ich im Internet suche, wie oft das Wort «Sünde» in der Bibel vorkommt, dann staune ich – es ist auch egal, wie oft. Vielmehr geht es mir um die Frage, was denn mit dem Wort gemeint sein könnte. Ich lese es als eine Abkehr vom Weg, der zur Liebe hinführt. Ein eigentliches Wissen und doch kein Tun. Und schon sind wir bei den Todsünden. Völlerei ist nicht gut, okay, und doch ist es manchmal einfach schön, sich zu überessen und zu viel zu trinken, oder nicht?
Zielverfehlung, Misstrauen, Masslosigkeit, Verführung, Blindheit, Verhärtung des Herzens … sind für mich andere Wörter, welche Sünde auch versuchen zu umschreiben.
Im Vers geht es darum, dass ein Mensch (du?) etwas Gutes kennt, das zu tun wäre, und es dann doch nicht tut. Das kann auch wieder tausend Gründe haben, warum etwas Gutes gerade nicht getan wird oder warum ein Mensch sich gegen das Gute entscheidet. Was ist denn gut? Für mich eine Handlung, Entscheidung oder Lösung, welche die Liebe und das Wohl der Menschen auf der Welt verbessert und nicht egoistisch und eigennützig ist.
Damit ist dann wieder Gott gedient, weil Gott die Liebe ist! Alles klar?

Von: Markus Bürki

8. Februar

Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder,
der gnädige und barmherzige HERR.
Psalm 111,4

Auch bei Psalm 111 geht es heroisch weiter. Dieser Gott lässt uns nicht los, wenn wir ihn denn ernst nehmen! Seine Gebote sollen für alle Zeiten Bestand haben. Er hat sein Volk befreit, und sein Bund mit ihm gilt für immer …
Wenn ich in die Welt schaue, habe ich nicht gerade das Gefühl, dass da sehr viele bundestreue Menschen sind. Oder anders gesagt, Menschen, die diesen Gott noch ernst nehmen. Aber was meint denn «ernst nehmen»? Für mich bedeutet es, diesen Gott mitzunehmen auf die Reise des Lebens und zu versuchen, Liebe zu streuen auf diesen Lebenswegen. Konkreter: Für mich ist das Evangelium eine Richtschnur für das gelingende Leben zusammen mit allen Lebewesen auf diesem Planeten. Es geht um gute und ehrliche Gemeinschaft, es geht um Frieden, es geht um Bewahrung der Schöpfung und unserer eigenen Art. Es geht darum, sich nicht als Gott aufzuspielen, auch wenn wir nach göttlichem Abbild geschaffen worden sind. Es geht darum, sich für andere zurückzunehmen und mit dem Schlüssel, der da Liebe heisst, zu versuchen, diese eine Welt zu einem besseren Ort zu machen bei allem, was wir hier auf Erden tun und anstellen.
Dieser eine Gott hat meiner Meinung nach diese Geschichten überliefern lassen, damit wir beim Lesen immer wieder an die goldene Richtschnur erinnert werden und nicht nur aus Eigenzweck existieren und am Ende einsam sterben.

Von: Markus Bürki

7. Februar

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.
Es dürstet meine Seele nach dir.
Psalm 63,2

Psalm 63 ist eine Liebeserklärung an Gott. An den einen Gott, den wir suchen. Es gibt viele Götter unter dem Himmel, aber im jüdisch-christlichen Kontext reden wir von dem Einen, der sich gezeigt hat in Jesus, unserem geglaubten Christus, der ganz Mensch geworden ist und sich zu uns herabgelassen hat in unser irdisches Gewusel. Ganz nahe zu uns Menschen ist er gekommen. Das finde ich immer wieder wunderbar, weil es unseren Gott so verletzlich, echt und glaubwürdig macht. Gott ist einer von uns!
Ja, auch mich dürstet es immer wieder nach diesem Gott. Im Gebet, im Alltag, auf der Arbeit – überall versuche ich diesen einzigartigen Gott zu erhaschen und immer wieder gehe ich leer aus, bin am Abend einfach nur erschöpft, genervt und eigentlich überfordert mit all den Anforderungen. Wo ist der eine Gott? Psalm 63 geht dann noch weiter. Alle, die meinen Untergang wünschen, werden dank meines Gottes selber ins Totenreich hinabsteigen müssen, dem Schwert ausgeliefert und den Schakalen zum Frass vorgeworfen werden. Ja, dieser eine Gott kann auch ziemlich zornig werden. Es macht den Anschein, dass ich mit diesem einen Gott wirklich über Mauern springen und Bäche durchschwimmen kann, weil er mich nicht allein lässt. Und doch falle ich immer wieder auf den Boden der harten Realität zurück und schürfe mich auf. Dieser eine Gott ist mir leider oft (zu) fern. Beten, Stille, Bibelstudium können weiterhelfen.

Von: Markus Bürki

17. November

Die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft
der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der
Kinder Gottes.
Römer 8,21

Der Brief an die Römer ist ein Meisterwerk des Paulus von
Tarsus. Schön geschrieben und gut zu lesen. Schön fromm
könnte ich auch sagen. Paulus schreibt klar, wer der Meister
ist und was wir erwarten dürfen, wenn wir denn die richtigen
Entscheidungen im Leben und im Glauben treffen. Eine ganz
klare Absicht scheint mir in den Zeilen rüberzukommen: Das
Evangelium des Jesus Christus ist Dreh- und Angelpunkt.
Alles andere bringt’s nicht!
Vor kurzem ist erneut ein Mensch verstorben, den ich sehr
schätzte und von dem ich vieles lernen durfte. Zu jung
gegangen und zu plötzlich. Immer wenn ich mit dem Tod
konfrontiert werde, merke ich, wie dünn doch mein Glaube
ist und wie brüchig. Ich kann einfach nicht so glauben, dass
mir solche Lebensschnitte nichts ausmachen. Es schmerzt
mich, es tut weh, es lässt mich zweifeln und macht mich
nervös. Was «verhebt» nun wirklich von dem, was ich
erfahren und gelesen habe? Was ist wirklich wasserfest und
unverwischbar? Was ist bei mir frei von der Knechtschaft
der Vergänglichkeit? Wo fühle ich mich frei als Kind Gottes?
Meine Pfarrkollegin hat in einer Geschichte einmal erzählt,
dass es vielleicht darum geht, «Sehnsucht nach der Sehnsucht
nach Gott zu haben». Ein wunderbarer Gedanke. Ich
wünsche uns allen Sehnsucht nach der Sehnsucht.

Von: Markus Bürki

16. November

Das Volk, das ihm voranging und nachfolgte,
schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids!
Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!
Hosianna in der Höhe!
Matthäus 21,9

Das Volk schreit, einer kommt in dem Namen des Herrn. Ich
stelle mir die Szenerie gewaltig vor. Laut und schrill, arm und
reich, staubig, sonnig, aufbruchsgewaltig! Alle sehen sich auf
einmal um den Einen versammelt und sie jubeln ihm zu, weil
sich seine wortgewaltige Botschaft in kurzer Zeit durch die
Quartiere und Gegenden der damaligen Zeit «gestreamt»
hat. Er kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der
Höhe!
Und heute? «Gestreamt» wird wahrlich viel mehr auf
Netflix als in der Bibel. Geschrien wird an vielen Orten auf
der Welt. Aus Unglück und Glück und überhaupt, immer mal
wieder treffe ich auf Menschen, die wild um sich schreien im
Zug oder auf der Strasse. Vom Sohn Davids habe ich noch
keinen schreien hören. Wo sind die, die dem Sohn Davids
nachfolgen und aus Freude schreien? In der Kirche am Sonntag?
Ich höre keine Schreie. Im «Wort zum Sonntag»? Ich
höre keine Schreie. Im Theologiekurs? Ich höre keine Schreie.
In einer kirchlichen Gruppierung? Auf einem Tagesausflug
mit Seniorinnen und Senioren? Ich höre kein Schreien. Nein,
ich höre kein Schreien. Ich sehe Angst um Zukunft, Angst um
Geld und Reichtum, leere Gedanken und Luftschlösser, ich
sehe viel Zaghaftigkeit und wenig Visionäres. Wo bleiben die
Aufschreie! Wo ist Glaube?

Von: Markus Bürki

17. September

Gott hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt. Apostelgeschichte 14,17

Der Vers klingt für mich ein wenig nach: Jetzt hat euch Gott so viel gegeben, und was macht ihr damit? Seid doch dankbar bitte! Merkt doch endlich, was Gott euch allen gegeben hat.
Wie sieht das denn heute auf unserer Erde aus? Sind da noch viele, die sich dankbar an Gott wenden und einfach einmal Merci sagen? Neulich war ich im Zug nach Basel von Interlaken herkommend. Vor mir im Abteil waren drei rund siebzigjährige Menschen, und sie beschwerten sich über alles. Die heutigen Eltern sind unmöglich, diese Bundesrätin ist ungeheuerlich, diese Jungen sind unbrauchbar. Da blieb nichts Gutes in der Luft hängen.
Ich fand das sehr schade und wäre beinahe rüber gegangen und hätte Folgendes gesagt: «Ehm … sorry kurz, ich höre Ihnen nun schon eine Weile zu, und es ist für mich fast nicht erträglich. Alles in Ihrem Leben scheint schrecklich zu sein und nichts ist wirklich froh machend. Haben Sie sich schon einmal überlegt, in welch wunderbarem demokratischen Land wir hier leben? In was für einem Paradies in Sachen Arbeit und Freizeit und Familienformen? Haben Sie noch nie einfach Freude in Ihrem Herzen verspürt? Einfach so, weil es die grosse Schöpferkraft einfach gut mit uns meint?»

Von: Markus Bürki

16. September

Als Petrus die hohen Wellen sah, bekam er Angst. Er begann zu sinken und schrie: «Hilf mir, Herr!» Matthäus 14,30

Wie oft sind Sie schon in einer Situation gesunken? Sei das im Erdboden versunken oder einfach so? Was haben Sie zu diesem Zeitpunkt dann genau gemacht? Wenn Sie sich erinnern mögen, würde es mich interessieren, ob Sie nach dem Herrn geschrien haben? Oder nach dem Spaghettimonster oder Ihrer inneren Stärke. Oder sind Sie einfach still und heimlich versunken?
Jesus bleibt ja in der Situation ganz ruhig und versteht nicht, warum der Petrus so zappelig ist. Wo doch Glaube ist, da ist doch auch ein Weg – oder nicht?
Es ist und bleibt einfach sehr schwierig. Wenn ich doch nur genug glaube, dann werde ich schon nicht sinken, oder? Oder besteht die Möglichkeit des Sinkens, auch wenn ich genug glaube? Fragen über Fragen, wie häufig in der Theologie.
Es führt kein Weg daran vorbei, sich immer wieder mit dem Glauben auseinanderzusetzen und versuchen zu verstehen, was da mit einem passiert. Hören und versuchen zu fühlen. Was macht ein Bibelvers mit mir? Warum fühle ich mich gerade bei diesem Vers so gut oder eben nicht? Was kann er mit meinem Leben zu tun haben? Ist vielleicht genau diese Bibelstelle der Ort, wo Gott mir meine Wunde offenlegt und mir quasi noch Salz reinstreut?
Bleiben Sie neugierig und aktiv auf Ihrem Weg, ich wünsche es Ihnen von ganzem Herzen. Und sinken Sie nicht dabei ab!

Von: Markus Bürki

1. September

Jesus sprach zu seinen Jüngern:
Habt Glauben an Gott!
Markus 11,22

Es waren nicht nur Jünger mit Jesus unterwegs. Es waren auch Jüngerinnen. Und was ist mit dem dritten Geschlecht? Ist Jesus für alle da? Oder nur für die Binären unter den Menschen? Ich getraue mich, in ein Wespennest zu stechen:
Wieso eigentlich? Wieso ist es noch immer das Thema Nummer eins in der christlichen Welt, wer mit wem ins Bett darf und ab wann? Es ist mir unverständlich. Jesus hat insbesondere Macht und Macht in Kombination mit Geld angeprangert; wer mit wem das Bett teilt, war nicht zuoberst auf seiner Liste von Gleichnissen. Auch können wir die Bibelverse, welche etwas über Beziehungen von damals aussagen, nicht einfach in unsere heutige Welt übertragen. Da braucht es schon ein wenig Übersetzungsarbeit. Ehe, Partnerschaft, das war zu Jesu Zeiten etwas ganz anderes als heute. Mein Vorschlag: Wenn zwei Menschen eine Beziehung eingehen, dann sollte das auf Augenhöhe sein, ohne ein Machtgefälle, egal, wer mit wem. Gilt eigentlich das «habt Glauben an Gott!» für alle oder nur für die einen oder die anderen? Ich glaube, dass wir als Christenmenschen schnell aufhören müssen mit diesem Schubladendenken, diesem Schwarz-Weiss oder diesem Drinnen-Draussen. Wir Christenmenschen glauben an den einen Gott, wir haben wohl nur unseren einen blauen Planeten, und alle Menschen auf diesem haben eine göttliche Abstammung. Alle Menschen sind mitgemeint!

Von: Markus Bürki