Schlagwort: Barbara und Martin Robra

13. November

Gideon sprach zu dem Herrn: Hab ich Gnade   vor dir gefunden, so mach mir doch ein  Zeichen, dass du es bist, der mit mir redet.                 Richter 6,17

«Gott hört unsere Bitten», sagen beide, Lehrtext und Gebet, die diese Tageslosung begleiten. Gideon ist mit Gottes Zusicherung nicht zufrieden. Er möchte ein besonderes Zeichen haben. Darin ähnelt er Thomas, der nur dann an die Auferstehung Jesu glauben will, wenn er seine Finger in die Wundmale gelegt hat. Jesus erfüllt ihm den Wunsch, aber er sagt:

«Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!»

Glauben, das heisst: Gott ganz und gar vertrauen (Hebräer 11,1). Wie unser ganzes Leben, so ist solches Vertrauen ein Geschenk Gottes, das wir uns nicht einfach nehmen können. Schon bei kleinen Kindern können wir sehen, dass Vertrauen und Respekt elementar wichtig sind für ein gelingendes Leben. Und es bestätigt sich jeden Tag in unserem Zusammenleben mit Menschen und Tieren gleichermassen.

Vertrauen ist ein kostbares Geschenk. Es kann viel zu leicht zerstört und verspielt werden. Wo immer das geschieht, wachsen Misstrauen und Zweifel. Was dann bleibt, ist hoffentlich der Glaube an Gott, der uns in Christus und seiner Liebe begegnet. Hab ich Gnade vor dir gefunden, Christus, lass mich glauben und vertrauen!

Von Barbara und Martin Robra

12. November

Die Erlösten des HERRN werden heimkehren. Wonne und Freude werden sie ergreifen, aber Trauern und Seufzen wird von ihnen fliehen.               Jesaja 51,11

Heimkehren – das war der Wunsch aller, die ins babylonische Exil verschleppt wurden. Mit Worten spricht Jesaja zu ihren Herzen.

Heimkehren – das ist die Sehnsucht vieler Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten, die in Schweizer Städten und Dörfern Zuflucht und neues Leben gefunden haben. Besten falls gelingt die Integration mit Hilfe von Kolleginnen und Kollegen und guten Nachbarn. Aber Heimat?

«Wo meiner Füsse Spuren sind, da ist meine Heimat.» Eine Lithographie des katalanischen Künstlers Antoni Tàpies zeigt einen blutroten Fussabdruck und Zeichen für den Wandel der Zeit. Tàpies hat den Bürgerkrieg erlebt. Im Krieg kann Heimat brennen und zur Hölle werden. Dann liegt Heimat nicht nur hinter uns in der Vergangenheit, die wir nicht festhalten können. Heimat ist der Lebensraum, den wir bewusst erkunden und gestalten – wenn der Weg uns weiterführt. Heimat wird das, wonach wir uns sehnen.

Heimkehren – das kann auch heissen, auf das Ziel zugehen, das Gott uns verheissen hat.

Von Barbara und Martin Robra

13. Januar 2022

Die dein Heil lieben, lass allewege  sagen:
Hochgelobt sei Gott. Psalm 70,5

Wer betet noch jeden Tag Luthers Morgen- und Abendsegen? Leserinnen und Lesern der Bolderntexte ist die Disziplin vertraut, sich täglich einem Vers der Bibel auszusetzen und sich von ihm inspirieren zu lassen – ein Moment des Tages für die Wahrnehmung der Gegenwart Gottes in einer Welt, für die Unterscheidung zwischen den anspruchsvollen Geis- tern, die unser Leben bestimmen wollen, und dem das Leben schenkenden Geist Gottes.

Wenn Krankheit, Ungerechtigkeit oder Hass das Leben schwer machen und Depressionen drohen, kann es helfen, sich jeden Morgen und jeden Abend einen kurzen Augen- blick Zeit zu nehmen: Hochgelobt sei Gott! Wofür will ich dich, wofür kann ich dich heute loben, Gott? Mitten in der Dunkelheit der Welt mag dann der Stern Gottes aufleuchten und die Gewissheit geben, dass Gott diese Welt und uns niemals sich selbst überlässt.

Wo sind die Spuren deiner Gegenwart heute, Gott des Lebens?

Ich danke dir. Ich lobe dich.

Amen

Von Barbara und Martin Robra

12. Januar 2022

Der HERR ist der wahrhaftige Gott, der lebendige Gott, der ewige König.     Jeremia 10,10

Wahrhaftig, lebendig, ewig – so ist der Gott Israels. Und wir – geschaffen nach Gottes Bild? Wahrhaftig, lebendig, ewig – gilt das auch von Gottes Geschöpfen? Lebendig wohl; ewig wohl nicht. Das Leben ist allen Geschöpfen gegeben, aber es währt nicht ewig. Ewiges Leben in der Überwindung des Todes bleibt Geschenk Gottes.

Diesen Aussagen stimmen alle in unserer Familie zu. Inwieweit aber Geschöpfe Gottes wahrhaftig sind, das ist umstritten. Bei Pferden und Menschen sind wir uns einig: Pferde sind klar in ihrem Verhalten, solange sie nicht von Menschen verrückt gemacht werden. Deshalb kann man auch viel von ihnen über das Zusammenleben lernen. Können wir also Pferde wahrhaftig nennen, Menschen dagegen nicht? Und andere Tiere? Was sind eure Erfahrungen – mit Hunden und Katzen zum Beispiel?

Darüber haben wohl auch die Engel diskutiert, die Gott nach dem Talmud bei der Erschaffung der Menschen berieten. Einige warnten Gott vor diesem Schritt. Menschen würden nicht wahrhaftig sein und könnten nicht in Frieden leben. Hatten sie recht, oder geht das Experiment Mensch doch besser aus?

Es liegt an uns.

Von Barbara und Martin Robra