Schlagwort: Barbara und Martin Robra

15. April

Was können die Weisen Weises lehren,
wenn sie des HERRN Wort verwerfen?
Jeremia 8,9

«Der Tölpelhans» – so heisst ein Märchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen. Es geht um drei Brüder, die eine Prinzessin heiraten möchten. Zwei wissen unglaublich viel, sind dabei aber hochmütig und – tatsächlich – langweilig. Der Tölpelhans jedoch hat das Herz auf dem rechten Fleck, ist lustig und findet für jedes Problem eine Lösung. Das gefällt der Prinzessin, die ihm ihr Herz öffnet.
Wissen allein gibt keine Weisheit. Weisheit blüht auf in liebevollen Beziehungen. Gottes Wort gewinnt seine Schönheit und Kraft in Gottes Liebe. Aus dem Tölpelhans wird ein glücklicher Prinz, weil seine Prinzessin ihn liebt.
Fehlt dieser Kontext der Liebe, nützt alles Wissen nichts. Und dominiert stattdessen die Gier nach Reichtum und Macht, wie Jeremia sie bei seinem Volk diagnostiziert, geht die heilende und Leben schenkende Kraft des Gottesworts verloren. Not und Zerstörung, Misstrauen und Hass greifen um sich.
Doch:
Der Herr nimmt die an, die ihn fürchten, und Weisheit erwirkt seine Liebe. (Sirach 19,18)

Von: Barbara und Martin Robra

14. April

Die Erde ist voll der Güte des HERRN. Psalm 33,5

Güte – dieses Wort faszinierte mich als Kind. Wir sassen um den Esstisch und liessen es uns schmecken: ein einfaches Mahl, aber die ganze grosse Familie wurde satt – häufig auch Freunde, die spontan zum Essen eingeladen wurden. Zum Schluss wurde ein Dankgebet gesprochen: «Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.» (Psalm 118,1) Wenn genügend musikalische Esser bei Tisch waren, wurde dieser Psalm als Kanon gesungen. Begeistert sangen vor allem die Kinder mit. So war die Güte Gottes fest im Alltag unserer Familie verankert.
Die Erde ist voll von Gottes Güte. Wie sollte es auch anders sein? Gott hat die Erde und alles Leben aus lauter Liebe geschaffen. Gott schaute die Schöpfung an – und siehe, sie war sehr gut. Dieses Gutsein dürfen wir bewahren, aus Gottes Güte leben. Und wir wissen, wie alle, die diesen Psalm aus tiefem Herzen beten: Diese Liebe hört niemals auf. Gottes Güte währet ewiglich – heute, morgen, immer.
Das ist es, was mich als Kind begeistert hat. Und was mich durch viele schwierige Situationen getragen hat. In Gottes Liebe wird es gut sein – das ist Güte, wirklich und wahrhaftig. So können wir jeden Tag, bei jeder Mahlzeit sagen: Die Erde ist voll der Güte des Herrn. Danke!

Von: Barbara und Martin Robra

15. Februar

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest
du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Psalm 22,3

«Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!» Am Kreuz betet Jesus den 22. Psalm. Macht er halt nach diesem Ausruf, oder spricht er ihn weiter Vers um Vers? In jedem Fall sind die Passionsgeschichten der Evangelien und dieser Psalm eng miteinander verbunden: «Sie haben meine Hände und Füsse durchgraben. Ich kann alle meine Gebeine zählen; sie aber schauen zu und weiden sich an mir. Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.»
Jesus am Kreuz ist Gott in seiner Verlassenheit unter den Menschen.
Doch zum Psalm gehören auch Verse wie diese: «Er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen; und da er zu ihm schrie, hörte er’s… Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden; und die nach dem HERRN fragen, werden ihn preisen; euer Herz soll ewiglich leben. Es werden gedenken und sich zum HERRN bekehren aller Welt Enden und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Völker. Denn des HERRN ist das Reich, und er herrscht unter den Völkern.»
In der dunkelsten Stunde leuchtet trotz allem das Licht der Hoffnung auf Gottes Reich des Friedens und der Gerechtigkeit für alle Welt!

Von: Barbara und Martin Robra

14. Februar

Sehet, welch ein Mensch! Johannes 19,5

Mit Dornenkrone und Purpurgewand, gequält und verspottet von den Soldaten tritt Jesus vor das Volk, das seinen Tod will. Noch liefert ihn Pontius Pilatus nicht aus. Sieht er mehr in diesem Jesus als dessen Ankläger? Ahnt er, dass mit ihm Gott selbst gegenwärtig ist unter den Menschen? «Seht, welch ein Mensch!», ruft er dem Volk zu.
In seinem Leiden nimmt Jesus die Gebrochenheit und Not der Menschen auf. In seinem gemarterten Körper wird das Leiden der Menschheit getragen und angenommen von Gott selbst.
Künstlerinnen und Künstler haben diese Szene über die Jahrhunderte hin immer wieder gestaltet – gerade auch im 20. Jahrhundert, das so tief geprägt ist von Gewalt und Tod im Holocaust, in zwei Weltkriegen … und vielen anderen Konflikten.
«Ecce – Seht» nannte Paul Klee eine Zeichnung aus seinem Todesjahr 1940: das Gesicht eines von Schmerzen gezeichneten Mannes mit einer Dornenkrone. Dessen grosse Augen blicken voraus – auf den kommenden Tod und vielleicht darüber hinaus auf Auferstehung und ewiges Leben. Klee selbst ist schwer krank und weiss, dass er bald sterben wird. Erkennt er sich wieder im leidenden Gottessohn? Geht auch sein Blick über den Tod hinaus?

Von: Barbara und Martin Robra

13. November

Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und
die Schwachen sind umgürtet mit Stärke.
1. Samuel 2,4

Wer gewalttätig den Bogen überspannt, wird ihn früher oder
später zerbrechen. Das gilt im Kampf, im Sport und in der
Religion. So ist der zerbrochene Bogen ein Bild für den Zorn
Gottes über die Macht der Gewalttätigen. Keine menschliche
Stärke kann sich mit Gott messen. Anmassung wird
zerstört.
Stärke schenkt Gott den Schwachen, die Schutz und Hilfe
brauchen.
Das weiss Hanna, die ihren Sohn Samuel, den Nachfolger des
Priesters Eli, in ihren Armen hält. In ihrer Schwangerschaft
umgürtete Gott sie mit seiner Stärke und hielt sie schützend
umfangen. Hanna blickt zuversichtlich in die Zukunft. Sie
hat es erfahren: Sie und ihr Sohn sind aufgehoben in Gottes
liebevoller Umarmung.
Gott, schenke uns das Gottvertrauen und die Hoffnung
Hannas. Schütze das bedrohte Leben und umgürte es mit
deiner Stärke. Lass deinen Willen geschehen wie im Himmel
so auf Erden. So beginnt dein Reich mitten unter uns – dein
Reich des Friedens und der Gerechtigkeit.
Amen

Von: Barbara und Martin Robra

12. November

Durch Stillesein und Vertrauen
würdet ihr stark sein.
Jesaja 30,15

«Ich bin stark!», sagt das Kind. «Ja, das bist du. Du hast
keine Angst. Du hast Vertrauen in die Welt und in dich. Das
ist gut so!»

Wir haben zu Hause einen grossen Gong. Er leuchtet wie die
Sonne am Himmel. Meist schwebt er beinahe bewegungslos
an einer Halterung vor der Wand. Doch hin und wieder gibt
es bei uns ein Gong-Gewitter. Bei sehr sanften Schlägen des
weichen Schlägels in einem bestimmten Rhythmus erschallt
zunächst ein sanfter, leiser Klang – wie ein Windhauch. Mit
weiteren Schlägen schwillt der Ton an, wird lauter und voller.
Dann plötzlich, wie eine Welle am Strand, überschlägt sich
der Klang des Gongs. Er tobt wie ein Wasserfall. Weiter gibt
der Schlägel den Rhythmus vor. Der Gong vibriert und zittert
vor Spannung und Energie … Lauter und immer lauter, kaum
auszuhalten wird das Gong-Gewitter – bis der Schlägel zur
Ruhe kommt.
Der ganze Raum, mein Ohr, mein ganzer Körper bebt. Die
Lautstärke schwillt langsam ab. Leiser und immer leiser wird
es im Raum, in mir. Ich höre auf den letzten leisesten Klang –
bis auch dieser vergeht.
Ich höre die Stille. In mir. In der Stille ist Gott. Das ist gut so!

Von: Barbara und Martin Robra

13. September

Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer,
die Zuflucht suchen vor denen, die sich gegen deine rechte Hand erheben.
Psalm 17,7

Einer unserer Söhne wird in diesem Jahr eine junge Frau aus Istanbul heiraten. Darum haben wir die beiden um Anregungen gebeten, wie wir mehr über türkische Kultur und Traditionen lernen können. Sie empfahlen uns eine populäre Fernsehserie. Bis jetzt haben wir uns tatsächlich 154 Episoden angeschaut.
Vor diesem Hintergrund lesen wir die Losung. Offen gesagt klingen die Worte des Psalms 17,7 nicht anders als eine Reihe von Passagen des Skripts dieser Serie oder – andersherum gesehen – finden sich im Skript immer wieder Sätze, die an den Psalmvers erinnern.
Warum auch nicht?
Jüdische, christliche und islamische Gläubige sind alle gleichermassen Kinder Abrahams und schöpfen Wasser aus den gleichen Quellen. Das sollten wir niemals vergessen und deshalb Frieden unter den Kindern Abrahams fördern. Gerade jetzt …

Von: Barbara und Martin Robra

12. September

Helft dem Elenden und Bedürftigen zum Recht. Psalm 82,3

Sie waren es so gewohnt: Im Haus der Diakonie gab es Fahrkarten für den Nahverkehr, beim Pastor dahinter etwas Geld. «Pastor hintenliegend gibt Geld, fromm tun» verkündete ein «Gaunerzinken» am Bahnhof der Stadt. Als einer der Wohnungslosen auf Betteltour uns das erklärte, verstanden wir endlich, warum uns an der Pfarrhaustür immer wieder rührselige Geschichten erzählt wurden.
Das war der Moment, als wir begriffen, dass Mitleid und Barmherzigkeit nicht genug sind, solange sich nichts daran ändert, dass Menschen ihre Rechte auf Wohnung und materielle Hilfe verweigert werden. Helft den Elenden und Bedürftigen, aber helft ihnen zu ihrem Recht. Was das bedeutete und verlangte, lernten wir in den kommenden Jahren durch den Einsatz für eine professionelle Hilfe für Wohnungslose. Es gibt die Wohnungslosenhilfe Witten heute noch, und sie ist immer noch notwendig – leider.
Vor mangelnder Hilfsbereitschaft ist die Indifferenz den Rechten aller Menschen gegenüber, den Menschenrechten also, ein entscheidendes Problem sozialer Ordnung. Diese Rechte verlangen unsere Aufmerksamkeit und unseren Einsatz.

Von: Barbara und Martin Robra

13. Juli

Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.
Offenbarung 1,17

Wir beobachten gerne unsere Pferde und Esel. Da ist Temudschin.
Der dunkle Huzule ist ohne Zweifel der Stärkste in der Herde. Bei
jedem Zeichen einer möglichen Gefahr hebt er den Kopf und nimmt
mit seinen Nüstern die Witterung auf. Er weiss genau, was er will, und
lässt es die anderen wissen. Ovni folgt ihm als Zweiter. Intelligenz und
Respekt sind nicht gerade seine Stärken, er muss sich fügen. Da ist
Mandoline, die Stute. Sie hat Privilegien. Lebhaft und übermütig
demonstriert sie ihre überschäumende Energie, wenn sie unsere drei
Esel vor sich hertreibt und über die Wiese jagt.
Und dann ist da noch Baron, unser Oldie. Er ist der Kleinste und
inzwischen auch der Schwächste, der Letzte in der Reihe. Doch wenn
der Bosssich nicht ganz sicher ist(ja, das kommt vor!), dann geht er
zum Oldie, stupst ihn liebevoll an und holt sich Rat.
Der Erste wird zum Letzten, der Letzte offenbart seine Weisheit,
damit das Leben der Herde gesichert ist, damit keine
Angst und Panik aufkommt. «Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste
und der Letzte und der Lebendige.» Was für ein wunderschönes
Gottesbild! Die gesamte lebendige Schöpfung ist aufgehoben in
Gottes Liebe.

Von: Barbara und Martin Robra

12. Juli

Jesus fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war. Lukas 24,27

Wo anfangen und wo aufhören – mit Engelszungen reden –
Auslegung – komplett – von Anfang bis Ende. Alles, was
über ihn gesagt war, wird in Erinnerung gerufen, genau
beschrieben und erklärt.
Aber das intellektuelle Wissen überwindet allein nicht die
Hilflosigkeit, Angst und Lähmung der zwei Jünger auf dem
Weg nach Emmaus, führt nicht zum existenziellen Erkennen,
bringt den aufgescheuchten Seelen keinen Frieden und
keine Freude.
Sie erkennen den Auferstandenen beim Brechen des Brots.
Erst im gemeinschaftlichen Mahl wachsen Verstehen und
Vertrauen – Vertrauen in den lebendigen Gott, Vertrauen
in andere Menschen, Vertrauen in sich selbst.
Erst wenn wir das Leben teilen, nehmen wir wirklich wahr.
Dann entsteht eine unbändige Freude, die ansteckt, die
anstecken will, die sich ausbreitet, wie von selbst. Diese
Freude kennt keine Furcht.

Von: Barbara und Martin Robra