Autor: Carsten Marx

6. März

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
ist mein Name herrlich unter den Völkern, spricht der HERR Zebaoth.
Maleachi 1,11

Herrlich ist dieses Losungswort in den ersten Tagen des Monats März. Ich denke da an einen kühlen und ruhigen Sommermorgen. Die sich langsam ankündigende Hitze des Tages, die Glut des Nachmittags und schliesslich den Sonnenuntergang mit dem Rot des schönen Wetters für den nächsten Tag.
Von morgens bis abends, vom Orient bis zum Okzident, kurz: Immer und überall ist Gott für uns da. Das verspricht er uns. Gott zeigt sich als Adresse und Begleiter durch den Tag und durchs Leben.
Für mich ist das eine tröstende Kraft und ein Ausdruck der Hoffnung. Wenn ich in einen neuen Tag starte, darf ich felsenfest darauf bauen, dass Gott an meiner Seite ist und mit mir durch den Tag gehen wird. Gott ist nie zu schwach für meine Situation. Das heisst nicht, dass ich nie entmutigt oder enttäuscht sein werde. Aber es bedeutet, dass Gott in jeder Lage bei mir ist und mir neue Kraft schenken kann und wird, sofern ich ihm vertraue und auf ihn hoffe.
Deshalb ist es egal, was gestern war, was schiefgelaufen ist, was mich enttäuscht oder erschöpft hat. Spätestens am nächsten Morgen kann ich mit Gottes Kraft neu starten und ihm vertrauen.
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.

Von: Carsten Marx

5. März

Der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn. Römer 6,23

Es ist, wie es ist, oder es geht eben nicht mehr anders. Unlängst hatte ich technische Probleme mit meinem Handy. Ich selbst konnte das Problem nicht lösen. Der Verkäufer im Mobilfunkgeschäft leider auch erst nach ein paar Tagen. Er meinte zu mir: Es ging leider nicht anders; das müssen Sie doch verstehen.
Von unveränderbaren Tatsachen handelt auch der Vers des heutigen Lehrtextes. Die Botschaft lautet: Sünde führt zum Tod, denn Gott toleriert keine Sünde. Ob mir das gefällt oder nicht, spielt dabei keine Rolle.
Zum Glück ist das nicht alles. Zur Wahrheit gehört auch, dass Gott in Jesus Christus mir etwas schenken will. Er bietet mir das ewige Leben an. Ich muss mich dafür nicht anstrengen. Es ist, wie es ist, eine freiwillige Gabe. Wenn das so ist, dann folgt darauf, dass ich mich den Fakten stelle. Ich akzeptiere, dass mein Leben aus Gottes Sicht sündhaft ist. Es gibt aber noch den zweiten Teil im Vers: «Die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.»
Geschenke wollen empfangen und ausgepackt werden. Im Fall von Jesus muss ich hinterfragen: Bin ich bereit, Gottes Geschenk anzunehmen? Lasse ich mich darauf ein, dass er mein Sündenproblem bereits gelöst hat? Vielleicht finde ich heute schon erste Antworten.

Von: Carsten Marx

6. Januar

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Psalm 23,2–3

Es gibt Bilder, Lieder, Worte und Texte, die begleiten uns ein ganzes Leben. Psalm 23 ist für mich so ein Text. Bei den Worten werde ich an meine Kindheit erinnert. Schon meine Grossmutter betete mit mir diesen Psalm. Ich sehe sie vor mit, ihr Gesangbuch in Händen. Auf dem Buchdeckel stand «Der Herr ist mein Hirte». Sie hielt diese Worte förmlich fest und bewahrte sie.
In meiner Konfirmandenzeit musste ich diese Verse auswendig lernen. Damals dachte ich fast überhaupt nicht darüber nach. Altmodische Worte. Gar nicht meine Sprache. Irgendwie abgegriffen. Ich dachte zunächst: «Das merkst du dir nie!» Doch irgendwo hatte ich diese alten Worte abgespeichert. Als ich im Urlaub eine Schafherde sah, waren die Worte wieder präsent, und ich erinnerte mich an meine Konfirmandenzeit.
Im Psalm 23 steckt das pralle Leben. Der Psalm spricht von Festen, Feiern, grünen Auen, Tälern, frischem Wasser. Und am Ende des Lebens nimmt Gott uns an in seinem Haus. Was für ein Vertrauen, in das ich fallen darf! Das ermutigt mich. Denn unser Leben verläuft nicht immer geradlinig und ist kein Wunschkonzert. Wir brauchen da oft einen Hirten, der uns Orientierung gibt, jemanden, der uns hilft, am Montagmorgen motiviert und beschützt in die Woche zu blicken.

Von: Carsten Marx

5. Januar

Der HERR ist gütig und eine Feste zur Zeit der Not
und kennt, die auf ihn trauen.
Nahum 1,7

Nahum, von dem unser heutiges Losungswort geschrieben wurde, kannte die Güte Gottes und er wusste wohl, dass Gott alles kann, nur nicht die enttäuschen, die ihm vertrauen. Nahum – sein Name bedeutet «Trost» oder «Mitgefühl» – und seine Botschaft waren für das Volk Israel sicherlich ein Trost. Trost ist eine Kraft zur Zeit der Not. Ich darf mich in das Vertrauen Gottes fallen lassen. Warum? Es geht hier um Werte, die in unserer Welt oft vergessen zu sein scheinen; ich meine Werte wie Liebe, Güte und Barmherzigkeit, die ein gutes Zusammenleben und Miteinander in der Gesellschaft ausmachen. Dazu gehören auch die Vergebung, das Verzeihen und Vertrauen. All das kann ich mit Geld nicht erwerben. Diese Werte werden mir geschenkt! Die Quelle für diese Geschenke ist mein Glaube an Gott und sein Wort. Wenn wir leben, was wir glauben, dann erleben wir, was wir glauben.
In früheren Jungscharzeiten der 1980er-Jahre lernte ich zu einem Spiritual den Text von Herbert Mausch kennen: «Immer auf Gott zu vertrauen, immer auf Gott zu vertrauen, immer auf Gott zu vertrauen, das ist der beste Weg.» Mit diesem Vertrauen fasse ich Mut, dann bleibt das Sinnlose nicht sinnlos, auch nicht mit den ersten Schritten im neuen Jahr.

Von: Carsten Marx

16. Dezember

Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann,
der du zugesagt hast, mir zu helfen.
Psalm 71,3

Da sehnt sich jemand nach Sicherheit und Geborgenheit bei
Gott, und Gott bietet uns Freundschaft an. Auch wenn wir
durch schwere Zeiten gehen, er geht mit uns. Er ist für uns
da, wie ein guter Freund, eine gute Freundin.
Es ist gut, eine Freundin oder einen Freund zu haben. Da
weiss ich: Die kennt mich, der mag mich. Bei einer Freundin,
einem Freund kann ich mich auch einmal ausweinen. In
einer Freundschaft kann man ehrlich sein; man muss nicht
so tun als ob. Man kann so sein, wie man ist, auch mal ärgerlich,
oder traurig, oder einfach nur müde. Eine Freundin/ein
Freund hört zu, ist einfach da. Manchmal kommt da auch
Zuspruch zurück.
Gott bietet uns Freundschaft an. Wenn wir Freundschaft
mit Gott leben wollen, dann brauchen wir Zeit dafür und
einen Ort, wo wir mit Gott reden können, wo wir uns aussprechen
können, um Rat bitten; wo wir geschützt sind und
unser Herz öffnen können.
Wir brauchen eine feste Verabredung mit Gott, sonst verlieren
wir ihn aus den Augen. Der Gottesdienst am Sonntag
ist so eine Verabredung mit Gott: Wir nehmen uns Zeit
für Gott. Wir kommen zusammen. Wir singen gemeinsam
Lieder, beten, hören Gottes Wort und erleben etwas von
der Güte Gottes. Wenn wir uns Zeit nehmen für Gott, dann
ist Gott da, auch ausserhalb von Kirchenmauern. Wo ist Ihr
Treffpunkt mit Gott heute?

Von: Carsten Marx

15. Dezember

Verlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen:
Hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel,
hier ist des HERRN Tempel! Sondern bessert euer Leben
und euer Tun.
Jeremia 7,4–5

In harten, klaren Worten klagt der Prophet Jeremia im Namen
Gottes das Volk an. Die heutige Losung stammt aus einer
Gerichtsrede, sie wird vorgetragen im Tor, am Eingang des
Tempels von Jerusalem. Die Gerichtsrede richtet sich gegen
die Taten der Menschen, sie richtet sich aber auch gegen
den Jerusalemer Tempel, also gegen das religiöse Zentrum
und die herrschende Religiosität der Menschen. Mit solchen
Reden ist Jeremia in viele Fettnäpfchen getreten. Er hat sich
damit keine Freunde gemacht. Sein Schicksal endet auch
tragisch. Er wird in den Kerker gesperrt und später nach
Ägypten verschleppt. Dann verlieren sich die Spuren.
Was will uns Jeremia sagen? Er will uns sagen: Gott liebt
Kritik. Man kann Gott ruhig die Meinung sagen.
Liebe Menschen, tut das immer wieder offen und ehrlich,
auch im Gebet. Gott kann mit Kritik umgehen. Gott liebt
ebenso das Recht. Das Recht dient dem Schutz der Schwachen
und den Menschen, die sich nicht selbst helfen können.
Und Gott liebt Erbarmen. Auch Jesus hat immer wieder
vom Erbarmen und von der Barmherzigkeit gepredigt. Ohne
Erbarmen, Barmherzigkeit und Nächstenliebe wären wir in
unserer Gesellschaft verloren. Wir haben klare Aufträge
erhalten!

Von: Carsten Marx

16. Oktober

Besser ein Gericht Kraut mit Liebe
als ein gemästeter Ochse mit Hass.
Sprüche 15,17

Dieser heutige Losungsvers war mir bis dato nicht wirklich bekannt. Das Buch der Sprüche hält immer wieder Überraschungen für mich parat. Ich denke nach.
Ich erinnere mich an so manche Mahlzeit, da wurde das beste Essen aufgetischt, aber die Atmosphäre am Tisch war komplett angespannt. Zwei von denen, die bei mir am Tisch sassen, waren einander spinnefeind; ja, das konnte man einfach sehen. Irgendwie schmeckte das Essen dann gar nicht richtig, auch wenn es noch so edel war. Das Essen schmeckt nicht, wenn die Atmosphäre vergiftet ist. Da kann es um ein Kerzenlichtdinner gehen oder um eine Hochzeitstafel.
Im Bibeltext geht es aber auch um das Kraut. Ein ganz einfaches, unscheinbares Essen. Sauerkraut mit Würstchen, ganz banal im Stammwirtshaus als Mittagsmenü – herrlich! Oft sitze ich dort zum Mittagessen in vertrauter Runde mit meiner Familie bei Sauerkraut mit Würstchen. Essen in gelöster Atmosphäre.
Was nehmen wir heute mit in den Tag? Alles Äussere fällt schnell ab, wenn es innen nicht stimmt. Das gilt auch für vieles andere, was heutzutage ungemein wertgeschätzt wird. Alles im Leben ist Beziehung. Und für eine gute Beziehung braucht es Liebe, Dankbarkeit und Freude.

Von: Carsten Marx

15. Oktober

Er aber, unser Herr, Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns liebt und uns durch seine Gnade ewigen Trost und gute Hoffnung gibt, ermutige eure Herzen und stärke euch zu jedem guten Werk und Wort. 2. Thessalonicher 2,16–17

Da sitzt Yvonne mit ihren neun Jahren. Vor einigen Monaten ist ihre Mutter plötzlich gestorben. Ihre Familie muss jetzt damit fertigwerden. Yvonne, die einjährige Schwester Mareike und ihr Papa, der jetzt berufsunfähig ist. Was bedeutet in dieser Situation Trost? Wie kann man hier trösten? Trost ist eine Hilfe, die sich niemand selbst geben kann. Doch genau diese Hilfe von aussen macht es so schwer. Sich einzugestehen: Ich bin bedürftig und ich verzichte darauf, nach Trostersatzmitteln zu greifen. Trösten ist eine hohe Kunst. Beim Trostspenden braucht es viel Fingerspitzengefühl. Diejenigen, die Trost spenden, wollen oft zu schnell helfen oder wissen oft zu schnell, was einem anderen fehlt. Trost bedeutet auch: Ich muss die gegenwärtige Situation des anderen aushalten und ertragen.
Paulus sagt in unserem heutigen Lehrtext, trösten sei eine Gotteskunst. Er nimmt auf, was wir mit Trost meinen und erleben, und gibt uns damit einen Begriff, mit dem wir Gottes Wirklichkeit für uns auf den Punkt bringen können: Gottes Trost ist österlich. Gottes Trost hat eine Eigendynamik. Gottes Trost lässt auferstehen und ermutigt uns Menschen. Trost braucht nicht nur Umarmung, sondern viel Zeit. Das schenkt mir Mut und Hoffnung!

Von: Carsten Marx

16. August

Darum nehmt einander an, wie Christus euch
angenommen hat zu Gottes Ehre.
Römer 15,7

Die Aufforderung lautet: «Nehmt einander an!» Die Verheissung,
die Zusage, das Fundament heisst: «wie Christus
euch angenommen hat». Und das Ganze soll zur Ehre Gottes
geschehen, «zu Gottes Ehre».
«Nehmt einander an!» Unser Handeln ist gefragt, unser
Annehmen, unser Auf-den-Andern-Zugehen. Den Andern
annehmen kannst du nicht, wenn du auf Distanz bleibst.
Dem Andern die Hand geben, da brauchst du schon eine
ziemliche Nähe, und ihn anzunehmen, das erfordert noch
mehr Nähe. Das geht nicht auf Sicherheitsabstand. Nehmt
den Andern an, nehmt einander an heisst: Geht aufeinander
zu, reicht die Hände, sagt ein freundliches Wort, sprecht den
Andern an. Fragt den Fremden neben euch: «Wo kommst
du her? Schön, dass wir uns heute begegnen.» Sprechen wir
die Menschen auf der Strasse an, nicht nur die, die in der
Kirche sitzen. Nicht nur die, die Not leiden, sondern auch
die, die uns unterstützen und uns helfen könnten. Das sind
die vielen Menschen mit den unterschiedlichsten Begabungen.
Das sind auch die Menschen, die in unseren Gemeinden
aktiv ihren Dienst verrichten und uns unterstützen. Macht
den Menschen immer wieder Mut. Geht nicht sprachlos
aneinander vorbei. Sperrt eure Ohren und Augen auf. Es
lohnt sich.

Von: Carsten Marx

15. August

Ich bin der HERR, euer Gott, der euch aus Ägyptenland
geführt hat, dass ihr nicht ihre Knechte bleibt, und
habe euer Joch zerbrochen und habe euch aufrecht
einhergehen lassen.
3. Mose 26,13

Nein – ich muss nicht immer alles allein schaffen. Ich muss
nicht immer schneller, weiter, höher gehen oder laufen. Ich
kann und darf auch sagen: Aus, fertig! Ich kann nicht mehr. Es
ist genug! Ich kann auch meine Schwäche eingestehen. Gott
stellt sich auf die Seite der Schwachen und Rechtlosen. Das
erzählt die Geschichte des Exodus.
Die Befreiung des kleinen Sklavenvolkes aus Ägypten ist
im Lauf der Jahrhunderte zum Inbegriff der Völkerbefreiung
und zum Vorbild etlicher Freiheitsbewegungen geworden.
Das alles hat ansteckendes Potenzial. Unser Gott begegnet
uns hier als ein Befreier, Retter und Wegbereiter.
1996 textete Clemens Bittlinger: «Wir wollen aufstehn,
aufeinander zugehn, voneinander lernen, miteinander
umzugehn.» Ja, es wird Zeit, es braucht den Aufbruch, das
Aufstehn gegen die Ungerechtigkeit dieser Tage. Es braucht
das Aufstehn gegen uns beherrschende und versklavende
Mächte und Meinungen.
«Viel zu lange rumgelegen, viel zu viel schon lamentiert. Es
wird Zeit, sich zu bewegen, höchste Zeit, dass was passiert»,
lässt Bittlinger in seinem Lied dann weitersingen. Wir dürfen
Gott immer wieder neu begegnen. Er erfüllt unsere Hoffnungen
und unser Gebet anders, als wir es erwarten.

Von: Carsten Marx