Autor: Barbara und Martin Robra

13. Mai

HERR, mein Gott, da ich schrie zu dir, machtest du mich gesund.                                     Psalm 30,3

Der Schrei eines neugeborenen Kindes – ein Schrei nach Luft, nach Leben, nach Liebe. Mit den ersten Atemzügen gewinnt der Schrei an Kraft. Ruhig wird das Kind erst, wenn es Wärme und Geborgenheit findet. Schon bald wird das Kind nach der Mutter und anderen vertrauten Menschen rufen.

«Der Schrei», von Edvard Munch gemalt – ein grausamer Schrei in der Natur, der den Künstler in einer Panikattacke überwältigte. Sensibel nahm er wahr: Das Leiden in der Welt ist zu gross für einen Menschen. Er kann dem Schrei nach Leben und Liebe nicht standhalten. Edvard Munchs Bild wurde so zu einer Ikone der existentiellen Not des gewaltsamen 20. Jahrhunderts.

Der Schrei zu Gott – wer Psalm 30 betet, kennt solche Not, schrie selbst laut auf. Doch dieser Schrei hat ein Gegenüber gefunden. Er verhallt nicht schmerzvoll und ohne Antwort in der Welt. Gott hat gehört und so das Leid geheilt, die Angst überwunden, neues Leben geschenkt. Der Psalm wird David zugeschrieben, der ihn bei der Tempeleinweihung tanzend in Szene gesetzt haben soll – Ausdruck neuer unbändiger Lebensfreude.

Von Babara un Martin Robra

12. Mai

Leben und Wohltat hast du an mir getan, und deine Obhut hat meinen Odem bewahrt.  Hiob 10,12

In Naturkatastrophen und Krieg, in Krankheit, Not und Tod wie Hiob daran festzuhalten, dass Gottes Schöpfermacht das Leben bewahren und erhalten will trotz allem – das fällt schwer.

Die Mütter von uns beiden, Barbara und Martin, sind am Ende des Zweiten Weltkriegs als Flüchtlinge in den Westen Deutschlands gekommen mit schrecklichen Erlebnissen auf der Flucht. Dass wir geboren wurden, verdanken wir ihrem ungebrochenen Lebenswillen und ihrer Hoffnung auf neues Leben, die sie an uns weitergaben: Habt keine Angst! In aller Not und in aller Freude wird euer Leben von Gott gehalten und bewahrt – selbst wenn es zerbricht.

Wir sehen Gesichter von Kindern auf der Flucht. Viele von ihnen sind müde, voller Angst und verzweifelt. Was kann jetzt wichtiger sein, als Frieden zu schliessen und Menschen dabei zu helfen, dass sie Hoffnung schöpfen und neuen Lebensatem finden.

Herr, gib uns deinen Frieden, freien Atem und Vertrauen in deine Schöpferkraft!

Von Barbara und Martin Robra

13. März

Einem König hilft nicht seine grosse Macht;
ein Held kann sich nicht retten durch seine grosse Kraft.

Psalm 33,16

Mit Vers 16 wechselt die Blickrichtung des Psalms und schaut auf die scheinbar Mächtigen dieser Welt: auf «Könige und Helden». Die Stärke der eigenen Armeen oder des eigenen Körpers, die Zahl der Pferde und Streitwagen, kurz, alle Machtmittel, über die Herrscher verfügen, verblassen im Vergleich mit der Schöpfermacht und Gerechtigkeit Gottes. Doch sind sie nicht nur nutzlos, sie untergraben und schwächen die Lebenskräfte der Menschen und Völker.

Im Aufstieg und Abstieg der Mächte mit ihren Schlachten und Kriegen, in den Teufelskreisen von Drohung, Abschreckung, Gewalt und Gegengewalt ist kein Heil – sicherlich auch nicht in einer weiteren Rüstungsspirale mit neuen Waffensystemen und der Aufrüstung des erdnahen Weltraums.

Stimmen wir deshalb ein in die Schlussfolgerung des Psalmgebets: «Unsere Seele harrt auf den HERRN; er ist uns Hilfe und Schild. Denn unser Herz freut sich seiner, und wir trauen auf seinen heiligen Namen. Deine Güte, HERR, sei über uns, wie wir auf dich hoffen.»

Von Barbara und Martin Robra

12. März

Der Himmel ist durch das Wort des HERRN gemacht
und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes.

Psalm 33,6

Heute und morgen sind wir eingeladen, in den «Jubel der Gerechten» im Psalm 33 einzustimmen. Es ist sicherlich sehr selten, dass in Herrnhut Verse aus demselben Psalm als Texte für zwei aufeinanderfolgende Tage ausgelost werden.

Vers 6 preist die Schöpferkraft Gottes in Wort und Geist-Atem. Gott  bleibt in dieser Welt gegenwärtig in den «Heerscharen der Engel», die alles Geschaffene durchdringen und beleben. Gemäss dem Prolog des Johannesevangeliums ist Gottes Wort in Christus Mensch geworden. Sein Licht scheint in der Finsternis. Mächte und Gewalten dieser Welt können es nicht auslöschen, auch wenn sie versuchen, dieses Licht mit dem eigenen Schatten zu verdunkeln. In solcher Dunkelheit wachsen Zweifel und Verzweiflung. Die Schatten werden übermächtig in Furcht und Verschwörungstheorien. Umso wichtiger ist es, dass wir das Licht nicht aus dem Auge verlieren, dass wir Gottes Stimme mitten im Lärm der Welt hören und dem lebendigen Wort in Christus vertrauen.

Überwinden wir die Furcht mit dem Lob Gottes! Singen wir die Angst aus uns und aus dieser Welt hinaus! Amen.

Von Barbara und Martin Robra