HERR, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist
unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.
Jesaja 64,7

Ton – ein gutes Gefäss hat eine dünne Wand – klingt, tönt …
Ton – ist nicht leicht formbar, braucht Wärme und Wasser
«Wir sind Ton, du bist der Töpfer» – das ist uns fremd in
einer Welt, in der wir gerne selber Schöpfer zu sein meinen.
Diese Klarheit: «… wir sind deiner Hände Werk» …
Was macht das mit uns, nur ein kleiner Teil der Welt zu sein?
Aber handgetöpfert …
«Wir alle sind deiner Hände Werk» – diese Konvention ist
gebrochen. Wir machen, managen … und zerstören dabei
nicht selten «seiner Hände Werk».
Ähnlich ist die Situation zur Zeit der Verfassung des Tritojesajatexts:
Die Menschen, die zurückkehren aus dem babylonischen
Exil, haben es schwer mit ihrem Gott.
Er sieht sie nicht mehr an, heisst es kurz zuvor (Vers 6).
Somit ist Jesaja 64,7 ein nahezu flehendes Angebot
an den zürnenden Gott:
«Wir wissen das doch (noch), wir sind deiner Hände Werk.»
An einen Gott, der hadert, auch mit den Rückkehrern,
die kurz vor einer neuen Weltordnung stehen.
Ein Einlenken, eine Bitte um Gnade und Geduld.

Von: Johanna Zeuner