Schlagwort: Johanna Zeuner

19. Juli

Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. 2. Korinther 5,21

Der Vers ist der Abschluss eines Kapitels mit dem Thema
Versöhnung. Paulus beschreibt in Vers 21 den fröhlichen
Wechsel: «Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein
Wechsel sein» (EG 27/RG 395) in seiner befreienden Dimension:
«Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das
Alte ist vergangen.» (Vers 7)
Die Entlastung, die Entschuldung, das Von-uns-Nehmen
von unseren Schultern, und das Erleichtert-Sein.
«Auf dass wir – in ihm – die Gerechtigkeit würden.» (Vers 21).
Das Christusgeschehen wird verleiblicht. Im Abendmahl
wird dieses Paradox des christlichen Glaubens erfassbar:
Ich gehe beschwerten Schrittes, mit aller Last dieser Welt,
des Alltags und seines Staubs zum Altar – und ich gehe
erleichtert zurück in die plötzlich nicht mehr so graue,
schöpfungsbunte und noch immer freie Welt – und bleibe
nicht ohne Auftrag.
Denn Paulus schreibt «Wir sind nun Botschafter an Christi
statt» und ruft dazu auf, auf die Versöhnung zu achten:
«Lasst euch versöhnen mit Gott.» (Vers 20)
Gott entlastet die Welt, auch dann, wenn es schon arg um
sie steht. Er wischt unsere Tränen weg und lässt uns nicht im
Regen stehen. Seine Schöpfungsmelodie umhüllt die Zeit.
Das ist kein Deal, «das mag ein Wechsel sein».

Von: Johanna Zeuner

19. Mai

HERR, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist
unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.
Jesaja 64,7

Ton – ein gutes Gefäss hat eine dünne Wand – klingt, tönt …
Ton – ist nicht leicht formbar, braucht Wärme und Wasser
«Wir sind Ton, du bist der Töpfer» – das ist uns fremd in
einer Welt, in der wir gerne selber Schöpfer zu sein meinen.
Diese Klarheit: «… wir sind deiner Hände Werk» …
Was macht das mit uns, nur ein kleiner Teil der Welt zu sein?
Aber handgetöpfert …
«Wir alle sind deiner Hände Werk» – diese Konvention ist
gebrochen. Wir machen, managen … und zerstören dabei
nicht selten «seiner Hände Werk».
Ähnlich ist die Situation zur Zeit der Verfassung des Tritojesajatexts:
Die Menschen, die zurückkehren aus dem babylonischen
Exil, haben es schwer mit ihrem Gott.
Er sieht sie nicht mehr an, heisst es kurz zuvor (Vers 6).
Somit ist Jesaja 64,7 ein nahezu flehendes Angebot
an den zürnenden Gott:
«Wir wissen das doch (noch), wir sind deiner Hände Werk.»
An einen Gott, der hadert, auch mit den Rückkehrern,
die kurz vor einer neuen Weltordnung stehen.
Ein Einlenken, eine Bitte um Gnade und Geduld.

Von: Johanna Zeuner

19. März

Jesus spricht: Ich bin gekommen, damit sie
das Leben haben und volle Genüge. Johannes 10,10

Gleich zwei «Ich bin»-Worte umrahmen die Losung im Gleichnis vom guten Hirten: «Ich bin die Tür» und «Ich bin der gute Hirte». Es geht um Jesus als den vom Vater Gesandten zur Offenbarung seiner Herrlichkeit. Wer diese Herrlichkeit erfasst, hat das Leben und volle Genüge, wie Martin Luther übersetzt. Im griechischen Urtext steht das Wort Leben und es im Überfluss haben, wörtlich: «ringsum über sich hinaus»: also Leben randvoll, nicht überbordend, nicht besinnungslos satt, aber gesättigt, zufrieden und mehr als das. Die Hochzeit zu Kana am Anfang des Evangeliums illustriert diese Fülle, die den Glaubenden zuteilwerden kann, schon im Hier und Jetzt.
Der Verfasser des Johannesevangeliums grenzt Jesus ab gegenüber weltlichen Machthabern, von «Dieben» (Vers 10a), die sich im Schafstall bedienen.
Passion deutet sich an. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe (Vers 11), damit die Seinen selig werden (Vers 9) und das ewige Leben (Vers 28) haben.
Sein Kreuzweg kreuzt unsere Wege –
hebt unsere Beschwernis auf.
Leben im Glauben –
kein Leben in Saus und Braus, aber in Fülle …

Von: Johanna Zeuner