Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns,
und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit
als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller
Gnade und Wahrheit. Johannes 1,14
Nicht mit einem Wort kommt Gott in die Welt, sondern
mit einem Schrei. Weihnachten ist das Fest des Wunders der
Geburt. Mit dem Schrei der Bedürftigkeit kommt das Kind
in die Welt, ausgeliefert und verletzlich. Es ist darauf angewiesen,
dass es auch ohne Worte verstanden wird.
Lange bevor es eigene Worte findet, erfährt das Kind die
Kraft der Worte. Es erkennt, dass Worte Zuwendung bedeuten
können und wie heilsam gutes Zureden sein kann. Es
lauscht dem Durcheinander der Stimmen. Es beobachtet,
wie Worte hin und her fliegen können, wie sie verletzen und
versöhnen, verhöhnen und stärken, klären und verwirren
können.
Jenes Kind, das im Stall von Bethlehem zur Welt gekommen
ist, findet später eigene Worte. Seine Worte rütteln auf
und provozieren, lassen Wahrheiten aufscheinen, stärken
den Glauben, dass eine andere Welt möglich ist. Sie heilen,
schenken Hoffnung und lassen das Himmelreich anbrechen,
indem sie Menschen bewegen und dazu ermutigen, sich in
Liebe einander zuzuwenden, Grenzen zu überwinden, Frieden
zu stiften. Mit jedem Wort.
Von: Felix Reich