Dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei. Römer 14,9
Eine stark lädierte Schuppentür aus Holz, aus den Angeln gerissen, liegt am Boden. Teufelchen, die aussehen wie eine Kreuzung aus Eidechsen und Eichhörnchen, wuseln aufgeregt herum, können aber nichts mehr ausrichten. In der Mitte steht Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, der die Toten aus ihrem Reich ins ewige Leben führt. Er fängt bei Adam und Eva an. Dieses (farben-)frohe Bild in all seinen Variationen illustriert den trockenen Text im Apostolischen Glaubensbekenntnis: «hinabgestiegen in das Reich des Todes». Der Abstieg Christi in die Unterwelt ist ein bedeutendes Motiv in der christlichen Ikonografie und ist in den orthodoxen Ostkirchen bis heute das wesentliche Osterbild.
Die Vorstellung mag naiv scheinen. Der Trost dahinter ist es nicht. Die Toten werden nicht sich selbst und dem Tod überlassen. Sie werden herausgerissen ins künftige Leben.
Wenn Sie nun die langen Reihen der Verstorbenen vor sich sehen, kommen Ihnen gewiss zuerst Ihre Lieben entgegen. Dann aber die ganz anderen, die man nie mehr wiedersehen wollte. Sie können nun nicht weiterleben und weitermachen wie zuvor, denn Christus ist der Herr und die «Hölle» künftig leer. Gisbert Greshake schreibt, wieder ganz trocken: «Indem Gott selbst in den Machtbereich des Todes tritt, hört dieser auf, die Zone der Gottesferne, der Beziehungslosigkeit und Finsternis zu sein.»
Von: Dörte Gebhard