Ich will dir danken in grosser Gemeinde;
unter vielem Volk will ich dich rühmen. Psalm 35,18
«KIRCHE ÜBERFÜLLT» steht auf dem riesigen Schild. Schon in der Strassenbahn war es wie in einer Sardinenbüchse. Jetzt sind sie aus der Nähe zu sehen: die Massen auf dem Vorplatz. Das Schild lehnte am Eingangsportal, jetzt wird es hochgehalten, damit man es von weitem lesen kann. Ein junger Mann redet freundlich, aber sehr bestimmt mit denen, die unbedingt noch hineinwollen. Natürlich wären sie bereit, zu stehen oder am Boden zu sitzen. Das sagen sie immer wieder, aber es nützt ihnen nichts. Wir sind in Westeuropa. Da gibt es Vorschriften. Die Fluchtwege werden frei gehalten. Ein paar Leute geben nicht so leicht auf: Sie sind schliesslich zwei Stunden angestanden! Bei der Hitze! Sie haben sich so lange darauf gefreut!
An deutschen Kirchentagen gibt es diese wundervollen Schilder und diese emotionalen Augenblicke draussen vor der Tür. Ich muss dann enttäuscht nach einer anderen Bibelarbeit Ausschau halten, aber zugleich weiss ich nicht, wohin vor lauter Glück! Weil die Gemeinde so gross ist! In dieser Kirche sind Hunderte Sitzplätze – und sie sind alle besetzt! Da wird Gott gerühmt mit viel Volk! Alle zwei Jahre kommt das vor. Immerhin. Wer in grösserer Gemeinde danken will, geht am besten selbst öfter hin und nimmt jemanden mit. Vielleicht weiss jemand noch nicht oder nicht mehr, wie gut es in der Kirche ist.
Von: Dörte Gebhard