Sieh an meinen Jammer und mein Elend
und vergib mir alle meine Sünden! Psalm 25,18

Da erfleht eine Beterin Gottes Zuwendung aus einer schwierigen Situation heraus. Josua Boesch übersetzt ihre Worte: «Lueg, ich bin esoo dune, o wüürisch mi du doch verträge trotz alem.» Beim Lesen stosse ich berührt auf die tiefe Schönheit biblischer Klagen. Sie halten an Gott fest auch im Dunkel und im Rätsel der Gottverlassenheit. In ihnen steckt die ganze Wucht des kleinen Wortes «trotzdem». Die Beterin verstummt nicht, sondern sie schickt ihre Worte aus der Tiefe in den Himmel.


Worte finden für die Situation, in der ich stecke. Das ist ein grosses Geschenk des Betens. Wider die Sprachlosigkeit. Und manchmal braucht es dazu gar nicht viele Worte. Manchmal reicht schon das unaussprechliche Seufzen, mit dem der Geist Gottes für uns eintritt (Römer 8,26). So gesehen ist das Gebet auch eine Sprachschule. Und es bleibt nicht im Beschreiben des Elends stecken, sondern weist den Weg hinaus. Die Beterin betet weiter: «Bewahre meine Seele und errette mich; lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich!» (Vers 20)

Von: Chatrina Gaudenz / Lars Syring