Ich weiss, dass der HERR des Elenden Sache führen
und den Armen Recht schaffen wird. Psalm 140,13
Ach, David! In was für Zeiten hast du bloss leben müssen! Überall Kriege, Intrigen, Hass, Verleumdung und Gefahr. Kein Wunder, dass du da nicht zuerst auf die bei uns heute so beliebte Liebe Gottes hoffst, sondern um Gerechtigkeit flehst! Die Zeit ist kaum aushaltbar, der Tod droht ständig durch Hunger und Krieg. Und wer sollte all das Unrecht lösen? Orban, Trump oder Putin?
Anscheinend springe ich in den Zeiten und frage mich dann doch, warum uns die Liebe Gottes heute viel wichtiger ist als ihre Gerechtigkeit? Das Versprechen auf Gerechtigkeit ist ja eigentlich auch das Mindestmass einer jeden Religion. Selbst wenn nur Gott weiss, was Gerechtigkeit konkret bedeutet, ist dieses Grundprinzip ein ordnungsbildendes: eines, das das Leben und die Menschen ordnet, zusammenhält und damit irgendwie höchst konservativ ist – und zugleich revolutionär. Denn die Sache des Elenden ist nicht die Sache der Reichen. Oder wie später Maria singt: «Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.»
Was sagt es also über unsere Zeit aus, dass wir die Liebe Gottes hochhalten und Gottes Gerechtigkeit nur in wenigen Momenten erwähnen?
Und ich denke: Wir sind wohl nicht die Elenden des Psalms! Und noch etwas schmerzhafter kommt mir in den Sinn:
Unser «Gott liebt alle Menschen»-Gerede ist eine Verharmlosung Gottes, nimmt ihr die Kraft!
Von: Jan Simowitsch