Sei getrost, alles Volk im Lande, spricht der HERR,
und arbeitet! Denn ich bin mit euch. Haggai 2,4
Der Wideraufbau des Tempels benötigt Kraft und Mut. Es
sind unsichere Zeiten, die Welt ist im Umbruch, die politische
Situation unbeständig. Im Volk wächst der Widerstand
gegen das Bauprojekt. Der Prophet Haggai redet gegen die
Skepsis an und versucht den Einwand zu zerstreuen, dass der
Neubau nicht an die Herrlichkeit des alten Tempels heranreichen
werde.
Kirchen werden zurzeit kaum neu gebaut. Zumindest nicht
hierzulande. Einige Kirchen erscheinen inzwischen gar zu
gross, sind vielleicht sogar überflüssig geworden. Ideen für
eine neue Nutzung gibt es zwar viele. Oft aber scheitern sie
am fehlenden Mut und an der Nostalgie. Denn eine Kirche
loszulassen, schmerzt. Und eine Nutzung zu finden, die keine
Risiken mit sich bringt, ist eigentlich unmöglich.
Vielleicht braucht es deshalb vermehrt Prophetinnen und
Propheten, die gegen Verlustängste und Verzagtheit anreden.
Und dazu ermutigen, die Zeit des Umbruchs, in der
die Institution Kirche steckt, mit jener Zuversicht, die der
Prophet Haggai einfordert, anzugehen. So wächst das Vertrauen,
dass für jede Kirche gilt, was Gott für den neuen
Tempel verspricht: «Und an dieser Stätte werde ich Frieden
schenken!» (Haggai 2,9)
Kirchen, Moscheen, Synagogen als Orte des Friedens: Das
genügt als Nutzungsbedingung.
Von: Felix Reich