Vergesst die Gastfreundschaft nicht. Denn auf diese Weise haben manche, ohne es zu wissen, Engel als Gäste aufgenommen. Hebräer 13,2
«Vergesst nicht» ist ein Imperativ, der unterstellt, dass die Adressaten des Briefs (zum Christentum übergetretene Juden) genügsam sind und die Gastfreundschaft vergessen haben könnten. Als Gäste dürften nicht Verwandte, die Nachbarn oder Freunde gemeint sein, sondern Fremde und die in der Bibel oft erwähnten Witwen und Waisen (Psalm 146,9). Im heutigen politischen Diskurs würden wir von Flüchtlingen sprechen. Und Fremde bzw. Flüchtlinge einzuladen, kann schwerfallen. Da gibt es Vorbehalte, weil sie unsere Sprache nicht sprechen, unbekannte und ungewohnte Verhaltensweisen zeigen, ungelegen kommen. Wir haben Hemmungen und laden lieber vertraute Gesichter ein. Das ist auch legitim, bereichern uns doch gute Gespräche bei feinem Essen und gutem Wein sehr. Oft aber bleiben sie auch im Belanglosen stecken, oder nicht? Wie wertvoll kann da eine neue Begegnung sein! Fremde Menschen, die von ihrer Welt und ihrem Leben, ihrem Glück und ihrer Not zu erzählen haben! Und vergessen wir auch das nicht: Engel sind Gottes Boten und sie haben besondere Nachrichten, für die wir empfänglich sein sollten. Wie haben sich wohl Abraham und Sarah gefreut, als ihnen die drei Gäste berichteten, dass ihnen in einem Jahr der gewünschte Sohn geboren werde (Genesis 18). Und wie wunderbar könnte es sein, wenn aus Begegnung Friede resultierte?
Von: Bernhard Egg