Jesus sprach zu Zachäus: Heute ist diesem Hause
Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams.
Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen
und selig zu machen, was verloren ist. Lukas 19,9–10
Jesus war nicht wählerisch beim Essen. Er hatte oft Hunger.
Heute und hierzulande sind wohl die meisten heikler als er.
In Lenzburg läuft noch bis Ende Oktober «Hauptsache
gesund. Eine Ausstellung mit Nebenwirkungen». Gesundheit
und Heilung von allen möglichen Krankheiten sind die
grossen Versprechen unserer Zeit. Sie erreichen bei manchen
Menschen die Stufe des Religionsersatzes. Dafür tun
sie fast alles. Dann kommen nur Superfood und perfekt
abgestimmte Spurenelemente auf den Tisch.
Zu naschen gibt es auf dem interaktiven Parcours im Stapferhaus
entweder Schoggi, völlig geschmacklose Vitaminpillen
oder fein gewürzte Heuschrecken wie seinerzeit bei
Johannes dem Täufer (Markus 1,6), leider ohne Honig.
Die Seligkeit hängt gerade nicht an dem, was auf den Tisch
kommt. Zachäus lernt, dass es auf den Gast ankommt, der
sich da so frech selbst eingeladen hat. Aber viele Gäste
zu haben, ist gesundheitsförderlich: «Der Fokus auf hundert
Prozent physiologische Gesundheit isoliert uns. Wir
unterschätzen den Einfluss der gemeinsamen Mahlzeit auf
die soziale Gesundheit. Dort wo die Leute besonders gesellig
leben, werden sie auch besonders alt.» (Prof. Gunther
Hirschfelder, Kulturwissenschaftler)
Von: Dörte Gebhard