Hanna betete: Ach, HERR Zebaot, sieh das Elend
deiner Magd an! Denk doch an mich und vergiss
deine Magd nicht! Schenk deiner Magd einen Sohn!
Dann will ich ihn dem HERRN überlassen sein
ganzes Leben lang. 1. Samuel 1,11
Hanna hat zum Leben zu wenig: kein Kind und damit keine
eigene Zukunft, kein Ansehen bei der anderen Frau ihres
Mannes und nach vielen Jahren keine Lebensfreude mehr.
Hanna hat zum Sterben zu viel: die wahrhaftige Liebe ihres
Mannes trotz ihrer Unfruchtbarkeit, das innige Gebet zu
Gott und ihre grosse Weisheit.
Sie hat schon als kinderlose Frau von Kindererziehung
mehr verstanden als viele Eltern. Denn kein Mensch kann
ein Kind haben. Es gehört den Eltern nicht. Ein Kind ist ihnen
von Gott anvertraut. Es ist eine Lebensaufgabe, eine Herausforderung,
ein Grund, täglich innig zu beten, aber niemals
Besitz. Hanna weiss das von vornherein. Vielleicht lässt sich
Klugheit von Erziehungsberechtigten zu allen Zeiten daran
messen, wann sie Hannas Weisheit zu verstehen beginnen:
wenn die Kinder das erste Mal auswärts übernachten, wenn
sie in die Schule kommen, wenn sie beginnen zu pubertieren
oder wenn sie von zu Hause ausziehen.
Hannas Weisheit wäre allerdings zu nichts nütze ohne ihr
Gottvertrauen. Sie wird den Sohn nicht irgendwann dem
Getümmel der Welt überlassen, sondern legt ihn Gott ans
Herz, schon bevor er ihr geboren wird. Aber auch wenn schon
Grosskinder auf der Welt sind, ist es dafür nicht zu spät.
Von: Dörte Gebhard