Wende dich zu mir und sei mir gnädig;
stärke deinen Knecht mit deiner Kraft! Psalm 86,16
Heute geniesse ich den Ruhestand. Aber ich weiss noch allzu gut, wie das im Berufsleben war: Der Terminkalender gefüllt bis an den Rand, die Aufgaben und Herausforderungen türmen sich auf. Wie soll ich das alles schaffen?
Manchmal habe ich es in solchen Momenten geschafft, aus dem Hamsterrad auszusteigen und die Hektik zu unterbrechen. Nein, die Arbeit macht sich nicht von selbst. Und dennoch: Bevor ich anfange zu überlegen, wie ich diese oder jene Entscheidung treffe; bevor ich mir Gedanken mache, wie ich diesen oder jenen Termin angehen kann; bevor ich beginne, meine erste Ansprache zu formulieren: still werden, innehalten, mich besinnen: «Wende dich zu mir und sei mir gnädig; stärke deinen Knecht mit deiner Kraft.»
Da sind nicht nur die Entscheidungen, die ich zu treffen habe; da sind nicht nur die Termine, die bewältigt sein wollen; da sind nicht nur die Worte, die ich finde oder nicht finde – da ist auch noch ein Anderer.
Da ist der, vor dem ich still werden, zur Ruhe kommen und dem ich mich anvertrauen kann. Da ist eine Kraft in der Welt, die auch meinem Leben immer wieder neue Kraft gibt. Das habe ich erfahren dürfen und es hat mir gutgetan. Und tut mir auch heute, im Ruhestand, immer noch gut. Bevor ich einen Blick auf mein Smartphone werfe oder anderes beginne, mich dem zuwende, der sich mir zuwenden will. Der Tag fängt anders an …
Von: Armin Schneider