Autor: Heidi Berner

Mittelteil Januar / Februar

Unsere Neuen im Team.

Wie schon in der Einleitung erwähnt, sind wir ab diesem
Heft über dreissig Schreiberinnen und Schreiber. Wer wir
sind, können Sie jederzeit auf www.boldern.ch nachlesen. In
einem der nächsten Hefte werden wir wieder einmal alle im
Mittelteil kurz vorstellen, sodass sich auch Leserinnen und
Leser ohne Internet ein Bild von unseren Autorinnen und
Autoren machen können.
In dieser Ausgabe geben wir aber den fünf Neuen etwas
mehr Raum. Eine Frau und vier Männer schreiben ab 2026
Bolderntexte. Drei von ihnen wohnen in Deutschland, zwei
junge Autoren in der Schweiz.
Die fünf Neuen stellen sich selber vor mit dem, was ihnen
wichtig ist.
Wir bedanken uns bei Johanna Zeuner, Jonas Meier, Armin
Schneider, Simon Sigrist-Hellingman und Jan Simowitsch für
ihr Mitwirken und freuen uns auf ihre Texte!

Jonas Meier
Jahrgang 1997. Ein Losungsvers kann uns allen auf verschiedene
Weise in den Alltag hineinsprechen, jeden Tag neu.
Deshalb liegen die Bolderntexte bei mir immer griffbereit da.
Es ist mir eine Freude, eigene Bolderntexte beizusteuern und
auf diese Weise einen Anstoss zu geben, wie die Bibelverse
weiterwirken können. Als Pfarrer in Rheinfelden beschäftige
ich mich Tag für Tag mit der frohen biblischen Botschaft, die
manchmal so quer steht zu einer Welt, die aus den Fugen
gerät. Mir liegt dabei die persönliche Begegnung am Herzen:
Wie spricht das Wort in deine konkrete Lebenssituation?

Armin Schneider
Jahrgang 1955. Geboren und aufgewachsen in einem kleinen
Dorf in Mittelhessen, lebe ich seit über vierzig Jahren in Duisburg.
Nach dem Studium der Evangelischen Theologie in
Wuppertal, Zürich und Tübingen war ich zunächst vierzehn
Jahre Gemeindepfarrer im Duisburger Norden, danach sechs
Jahre ausschliesslich in der Krankenhausseelsorge tätig, von
2004 bis zu meinem Ruhestand Superintendent des Evangelischen
Kirchenkreises Duisburg. Ich bin glücklich verheiratet,
meine Frau und ich erfreuen uns an zwei erwachsenen
Söhnen. Den Ruhestand erleben wir als eine nicht zu verachtende
Lebensphase; ehrenamtlich bin ich weiterhin mit
Freude im seelsorglichen Bereich tätig und freue mich jetzt
auf die Herausforderung durch die Bolderntexte, die ich seit
etlichen Jahren regelmässig und gerne lese.

Simon Sigrist-Hellingman
Ich wurde 1996 in St. Gallen geboren und bin im Zürcher Unterland aufgewachsen. Nach dem Theologiestudium in Zürich, Tübingen und Stassburg, dem Praktischen Semester in Zollikon und dem Vikariat im Kirchkreis 10 der Stadt Zürich (Höngg, Wipkingen West, Oberengstringen) bin ich nun im Pfarramt der Reformierten Kirchgemeinde Walenstadt-Flums-Quarten tätig. Die Herrnhuter Losungen inspirieren mich jeden Tag aufs Neue und sprechen in unsere Zeit.


Jan Simowitsch
Jahrgang 1980. Fragt nicht, warum! Es kam, wie es kam, und es ist gut: Ich wurde für alle überraschend Kirchenmusiker, Komponist und Autor. Als Kirchenmusiker habe ich unter anderem acht Jahre lang das Popinstitut der Nordkirche leiten dürfen und dabei das Song-Projekt «Monatslied» entwickelt. Für meine Kompositionen, meist Klaviermusik, lasse ich mich von der Natur inspirieren. Als Autor schreibe ich regelmässig Texte für verschiedene Zeitschriften und auf Instagram. Im Jahr 2025 habe ich im Bene!-Verlag mein Buch-Debüt «Und der Wal spuckt mich aus» veröffentlicht. Und nun freue ich mich auf die Bolderntexte und bin gespannt auf alles, was da jetzt kommt.


Johanna Zeuner
Volltheologin, Baujahr 1965. In der Wartezeit auf das Vikariat: Ausbildung zur Erzieherin. Wechsel nach Österreich, wo ich ordiniert wurde und in einem Kurort samt Dorf und am Stadtrand Wiens gearbeitet habe. Es folgten viele Jahre im gymnasialen Religionsunterricht. 2014 Rückkehr nach Deutschland; zunächst nach Berlin, dann in die Heimatstadt Verden an der Aller, wo ich an Haupt- und Realschulen unterrichte, nicht nur Religion. Ausbildung in systemischer Beratung.
Seit meinem 17. Lebensjahr ist Sprache für mich ein künstlerisches Ausdrucksmittel und eine biografische Bearbeitungsform. Damit tat sich auch theologisch ein neuer Weg auf. Nebenberuflich habe ich journalistisch gearbeitet. In meiner Freizeit bin ich fotografisch und musikalisch unterwegs. Ich freue mich, für Boldern schreiben zu dürfen. Die Losungskommentare schätze ich schon sehr lange für ihre Offenheit und ihren Lebensweltbezug.

27. Januar

Wohlan, die ihr sagt: Heute oder morgen werden
wir in die und die Stadt aufbrechen, ein Jahr dort
verbringen, gute Geschäfte machen und Gewinne
erzielen! Ihr solltet sagen: Wenn der Herr es will,
werden wir leben und dies oder jenes tun.
Jakobus 4,13.15

Wohlan! Wir sind es gewohnt,
genau so zu planen:
Wo und wann wir dies und das
zu tun gedenken und wozu.
Es ist halt so, dass unsere Pläne
längst nicht immer aufgehen.
Ist das Gottes Wille? Ist es Zufall?
Wer weiss das schon.
Es ist Glaubenssache.
Wir tun – so oder so – gut daran,
uns nicht allzu sehr festzulegen,
sondern offen für Überraschendes
und Unvorhersehbares
in die Zukunft zu blicken.
Wer weiss schon, welche Wunder
uns erwarten, gerade dann,
wenn wir sie nicht erwarten!
Es gilt – so oder so – die Kurzfassung
des Jakobusverses:
So Gott will und wir leben.

Von: Heidi Berner

26. Januar

Gott ändert Zeit und Stunde;
er setzt Könige ab und setzt Könige ein.
Daniel 2,21

Mein Leben – mein Königreich.
Gross ist es nicht, und es ist
umgeben von anderen Reichen,
die an meines grenzen.
Bin ich souverän in meinem Reich?
Gehe ich respektvoll um
mit meinem Leben, das ich mir
nicht selber gegeben habe?
Längst nicht immer!
Wie oft traue ich mich nicht,
mich durchzusetzen,
halte mich zurück,
wenn es darum ginge,
auf den Tisch zu hauen.
Vernachlässige mein Reich,
erweise mich seiner nicht würdig.
Gelänge es uns doch,
unser Leben, unsere Rollen
auf diese Art zu verstehen!
Und zu respektieren,
was die anderen
mit ihrem Leben machen –
die Welt würde reicher.

Von: Heidi Berner

Mittelteil November / Dezember

Die Stiftung Boldern unter neuer Führung

Seit Ende April 2024 führen Bernhard Egg und Urs Häfliger
die Stiftung als Nachfolger von Madeleine Strub-Jaccoud im
Co-Präsidium. Im Folgenden berichten sie über ihre Erfahrungen
im Amt.

Schriftlich geführtes Interview mit Heidi Berner (HB):
HB: Seit anderthalb Jahren führt ihr beide die Stiftung Boldern
im Co-Präsidium. Hat sich diese Organisationsform
bewährt?

BE: Meines Erachtens verläuft die Zusammenarbeit prima.
Wir ergänzen uns sehr gut. Jeder bringt seinen Erfahrungshintergrund
und sein Beziehungsnetz ein.
UH: Wir beide bringen viel Lebens- und Führungserfahrung
mit, und unsere verschiedenen Kernkompetenzen dienen
der Stiftung. Das Co-Präsidium hat sich meines Erachtens
sehr bewährt.


HB: Boldern hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Seit
wann seid ihr dabei?

UH: Beruflich und gesellschaftlich bin ich seit zwanzig Jahren
in Männedorf aktiv. Dabei hatte ich immer wieder von
Boldern gehört. Vor bald neun Jahren wurde ich in den Vorstand
des Trägervereins Boldern gewählt (als Quästor), später
als Geschäftsleiter ad interim für drei Jahre und danach
als Vizepräsident des Trägervereins. In dieser Zeit gründeten
wir die Stiftung und erhielten die Steuerbefreiung für die
Stiftung und den Förderverein.
BE: Meine ersten Besuche auf Boldern fanden statt, als ich
noch ein junger Kirchenpfleger war. Danach hatte ich keine
enge Verbindung. Die nächsten Berührungspunkte ergaben
sich mit der Wahl in den Kirchenrat der Reformierten Landeskirche.
In dieser Funktion begleitete ich die Gründung
der Stiftung Boldern und wurde nach dem Rücktritt aus dem
Kirchenrat in den Stiftungsrat gewählt.

HB: Aus einem Leuchtturm der Erwachsenenbildung und der
Spiritualität sind ein Tagungsort, ein Hotel und ein Wohnquartier
samt Spielplatz und Weiher entstanden. Wo finden
wir den Spirit von Boldern heute?

UH: Der Leuchtturm Boldern ist weiterhin gut und wunderschön
sichtbar ob Männedorf. Heute ist aus dem «Boldern
von einst» ein «Boldern für alle» geworden – so fand
die 1.-August-Feier 2025 der Gemeinde Männedorf auf Boldern
statt. Das wunderbar gewachsene Fundament von über
siebzig Jahren Boldern ist unser Fundament für eine erfolgreiche
Zukunft im Sinn von Boldern.
BE: Wir müssen offen und ehrlich festhalten: Das «alte»
Boldern ist Geschichte. Aber zum Glück und dank sehr viel
Engagement der Gründungsmitglieder konnte das Areal in
eine Stiftung überführt werden. Und Boldern ist und bleibt
ein Kraftort. Ein Ausdruck davon ist neben den erwähnten
gestalterischen Massnahmen – Weiher und Spielplatz – die
Veranstaltungsreihe «Boldern inspiriert».


HB: Welchen Stellenwert haben die Bolderntexte für euch
beide?

BE: Ich bin seit gut einem Jahr Mitautor, und das macht mir
viel Freude. Ich lese die Texte nicht konsequent jeden Tag,
aber ich lese sie, und sie sprechen mir oft aus dem Herzen.
Einzelne berühren mich naturgemäss weniger.
UH: Die Bolderntexte sind ein interessantes Standbein von
Boldern – insbesondere in der Kommunikation, der Beziehungspflege
und der Gesellschaft. Ich würde mir wünschen,
dass noch vermehrt weitere Zielgruppen für die Bolderntexte
gewonnen werden könnten – zum Beispiel Jugendliche
und Familien. Ich selbst lese von Zeit zu Zeit belebende Texte
darin und danke allen Autorinnen und Autoren für ihr tolles
Engagement.


Von: Heidi Berner

27. November

Als Petrus den starken Wind sah, erschrak er
und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich!
Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und
ergriff ihn. Matthäus 14,30–31

Als ich vor einigen Jahren
vor der Entscheidung stand,
ein schwieriges Amt zu übernehmen,
versagten meine Beine ab und zu.
Ich knickte ein, sackte ab.
Das irritierte und ängstigte mich sehr.
Ich beriet mich mit vertrauten Menschen.
Sie ermutigten mich, es zu wagen.
Zudem entdeckte ich in der Wühlkiste
unserer Buchhandlung ein Bändchen
mit Segensworten und Psalmen.
Dort war ein Satz in einem Text
mit dem Titel «Gefährtenschaft» –
wie für mich formuliert:
«Er segne eure Aufbrüche, euern Mut,
eure Bereitschaft zum Risiko.»
Schliesslich traute ich mir die Aufgabe zu.
Und plötzlich konnte ich wieder
mit sicherem Schritt auftreten.
Dank der Unterstützung meiner Gefährten,
die mich weiterhin begleiteten.
Und dank der Wühlkiste …

Von: Heidi Berner

26. November

HERR, deine Ratschlüsse von alters her sind treu
und wahrhaftig. Jesaja 25,1

Es ist wertvoll und lobenswert,
Altes in Ehren zu halten.
Doch gelegentlich ist es
etwas aus der Zeit gefallen,
hat Staub angesetzt oder
ist spröd und brüchig geworden.
So tun wir gut daran,
unvoreingenommen zu prüfen,
ob das Alte noch etwas taugt
oder ob wir es besser entsorgen.
Zu allen Zeiten haben Menschen
erfahren, was hilft in Angst und Not,
sie haben gehofft, gebangt und
gedankt – in Glück und Freude.
Alle diese Erfahrungen haben sie
überliefert – von Mund zu Mund
oder in heiligen Schriften formuliert.
Es ist wertvoll, diese Vorräte
an Lebenserfahrungen in Ehren zu halten.
Einiges ist brüchig, taugt nicht mehr.
Bei anderem reicht es, den Staub,
der sich darauf angesammelt hat,
wegzupusten – damit die Wahrheit
wieder zum Vorschein kommt.

Von: Heidi Berner

27. September

Jesus spricht: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Johannes 16,33

Die Welt ist zum Fürchten.
Seit jeher, nicht erst seit wir
alle fürchterlichen Ereignisse
auf unseren Bildschirmen
mitverfolgen können.
Jesus hat gut reden:
Er hat sie überwunden, die Welt.
Und wir? Wir müssen leben damit,
dass so viel Schlimmes geschieht,
auch durch uns selbst verursacht.
Worin also liegt der Trost?
Vielleicht darin, dass uns
die Angst nicht überwältigt.
Dass wir in Beziehung bleiben
zu dem, was das Leben
gut macht und schön.
Ein Bild lässt mich nicht los:
Eine Frau liegt am Boden,
der schlafenden Tochter zugewandt,
die – in gleicher Haltung –
eine Puppe vor sich hat.
Ein Bild der Geborgenheit!
Aus einer U-Bahn-Station.

Von: Heidi Berner

26. September

Viele sagen von mir: Er hat keine Hilfe bei Gott. Aber du, HERR, bist der Schild für mich, du bist meine Ehre und hebst mein Haupt empor. Psalm 3,3–4

Manchmal brauchen wir Hilfe,
wenn es uns schlecht geht,
wenn wir nicht weiterwissen,
wenn wir den Kopf hängen lassen.
Dann ist es gut, wenn uns
jemand wieder aufrichtet,
uns den Rücken stärkt.
Psalmen sind voller Bilder,
die davon erzählen.
Wenn wir einander aufrecht
gegenüberstehen können,
sehen wir uns in die Augen.

Wenn wir uns beugen,
oder sogar verbiegen,
verpassen wir die Begegnung.
Aufrecht stehen und gehen ermöglicht
den Blick nach vorne, ins Weite.
Auch weg von uns, hin zu anderen,
in denen du, Gott, uns begegnest.
Hin zu anderen, die uns stärken
oder bei denen wir erkennen,
dass sie unsere Hilfe brauchen.

Von: Heidi Berner

27. Juli

Der HERR wird seinem Volk Kraft geben. Psalm 29,11

Eine Übertragung des Psalms in mein Weltbild:
Die Götter des Zeitgeists sind Geld und Erfolg,
doch wer ist der Gott, an den wir glauben?
Ist er einer, der unantastbar, unnahbar
im Himmel thront, in heiliger Pracht?
Hat er die Welt erschaffen mit seinem Wort?
Ist er im Donner und in den Naturkatastrophen,
die über uns hereinbrechen mit gewaltiger Wucht?
Ist er mächtig allein mit seiner Stimme?
Ist seine Stimme so stark, dass sie alles bewirkt?
Dass sie Bäume knickt wie ein Wirbelsturm,
Wälder zerschmettert wie ein Orkan?
Dann würde kein Leben entstehen, gedeihen
und wieder vergehen ohne sein Wollen.
Seine Stimme wäre wie ein versengendes Feuer.
Sie würde die Erde beben lassen
oder alles vernichten nach seiner Lust.
Sie wäre es, die Geburten einleitet
und Lebensräume zerstört.
Eine Allmacht, gefürchtet und respektiert.
Dieser Gott würde über allem Seienden thronen
als oberster Herrscher in Ewigkeit.
An diesem Machtgott will ich mich nicht orientieren,
aber an dem, der uns segnet mit Frieden (Vers 11).

Von: Heidi Berner

26. Juli

Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und
treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen,
ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines
Herrn Freude!
Matthäus 25,21

Heute, wo ich dies schreibe, ist der Tag der Arbeit.
Wohl uns, wenn uns unsere Arbeit erfüllt
oder wenn wir im «Ruhestand»
etwas Sinnvolles tun können.
Leider ist es nicht allen vergönnt,
ihren Fähigkeiten entsprechend zu arbeiten
oder sich zu engagieren, zu malen, zu singen,
ihre Gedanken niederzuschreiben,
weil ihre Lebensumstände es nicht erlauben.
Andere aber lassen die Talente verkümmern,
vergraben sie wie der schlechte Knecht.
Unsere Talente sind höchstpersönlich,
nicht übertragbar, einmalig,
wenn wir nichts aus ihnen machen, verfallen sie.
Wenn wir sie aber einsetzen können,
sodass sie sich auszahlen,
für uns und vielleicht auch für andere,
wird unsere Welt ein wenig freundlicher,
heller, glücklicher, freudiger.
Sogar in unseren verrückten Zeiten.

Von: Heidi Berner