Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort
mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, auf dass ihr Segen erbt. 1. Petrus 3,9
Der Brief an die frühchristliche Gemeinde, die als Minderheit Anfeindungen und der Verfolgung ausgesetzt ist, zeichnet nach innen ein harmonisches Bild. Voller Mitgefühl sollen die Menschen füreinander sein und in geschwisterlicher Liebe zusammenleben. Und sollte doch einmal Streit entstehen, dürfen keine Retourkutschen gefahren werden, stattdessen gilt es, Segen zu spenden.
Harmoniesucht überdeckt Gräben. Sie verhindert den gesunden Streit. Und das Zulassen von unterschiedlichen Meinungen, das Aushalten von Differenzen und die Debatte, in der nicht Einigkeit das Ziel ist, sondern der Austausch von Argumenten, sind Grundlagen des Zusammenlebens.
Aber vielleicht gilt es, Harmonie musikalisch zu verstehen: als Zusammenspiel unterschiedlicher Töne, das zuweilen auch Dissonanzen aushält. Der Apostel formuliert einen Gegenentwurf zu einer Gesellschaft, die sich in weltanschaulichen Grabenkämpfen verliert. Ein Segenswort ebnet Differenzen nicht einfach ein, aber es setzt auf das, was eint, und nicht auf das, was trennt. Es richtet sich nach Gott aus und hält an der Geschwisterlichkeit aller Menschen fest. Unter Geschwistern lässt sich bekanntlich gut streiten.
Von: Felix Reich