Monat: September 2026

4. September

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN! Psalm 113,3

Heute feiern wir den ökumenischen Tag der Schöpfung und stimmen in den Kanon ein, der der heutigen Losung entspricht. Ich atme durch, lese den Psalm ganz und freue mich, dass ich Teil dieser grossartigen Schöpfung sein darf. Und nicht nur ich bin Teil, sondern die ganze Schöpfung rund um die eine bewohnte Erde gehört dazu. Es gehört ganz fest zu diesem Psalm, dass Gott, die Lebendige, nicht nur im Himmel thront, sondern in die Tiefe blickt und die Ärmsten erhöht, bei ihnen ist und hilft. Welch ein Trost und welche Hoffnung!

Die Lebendige richtet die Menschen auf. Und so darf ich vertrauen und hoffen, dass sie auch heute auf sie schaut, auf alle, die unter Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Gewalt leiden, die Hunger haben und für die kein sauberes Trinkwasser zugänglich ist. Die Lebendige schenke Zukunft und Hoffnung für sie, vor allem auch den vielen Kindern.

Das Hoffen auf die Gegenwart der Lebendigen gibt Kraft und hilft, selbst auch Teil der Hilfe zu sein.

Und so atme ich durch und singe:

Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN, sei gelobet der Name des HERRN!

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

3. September

Auf dich, HERR, sehen meine Augen; ich traue auf dich, gib mich nicht in den Tod dahin. Psalm 141,8

Die heutige Losung ist einem Psalm Davids entnommen. Der Beter sitzt im Gefängnis, weil er mit zweifelhaften Menschen Sachen gegessen hat, die verboten sind. Da spricht er zu Gott, der Lebendigen, und richtet seine Augen auf sie. Er hat Angst, verurteilt zu werden. Die Zürcher Bibel spricht nicht vom «Tod», sondern von einem Leben, das «verschüttet» wird.

Eben habe ich geputzt und das schmutzige Wasser weggeschüttet. Weg war es, nicht mehr gebraucht, vergessen. Wegschütten, welch ein normaler Vorgang.

Im Psalm ist das Verb «verschüttet» beängstigend, radikal, unumkehrbar. In diesem Zustand der Angst schaut der Beter in die Augen Gottes und spricht sein Vertrauen aus. Ist uns die Lebendige besonders nahe, wenn wir ihr unsere Angst anvertrauen? Können wir dann durchatmen und Vertrauen in das Leben zurückgewinnen? Ich weiss es nicht. Aber ich kann es wagen, kann es versuchen. Es soll aber ja keine Wer-tung sein, denn jede und jeder muss den eigenen Weg gehen und mit der Angst zurechtkommen. Etwas aber kann helfen: Wenn Mitmenschen geduldig zuhören und meine Angst teilen. Ich hoffe, dass sich solche Menschen finden lassen und die Lebendige in der Angst bei mir ist. Wie im Psalm ist diese damit nicht weg, aber aufgehoben bei einem Menschen und bei der Lebendigen. Wir werden nicht «verschüttet».

Von: Madeleine Strub-Jaccoud

2. September

So spricht der HERR Zebaoth: Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an. Sacharja 2,12

Jerusalem wird als eine Stadt gezeichnet, die so gross wird, dass kein Band ausreicht, um sie zu vermessen. Ihre Grenzen sind zu weit, als dass sie durch Mauern und Befestigungen abgeriegelt und geschützt werden könnten. Stattdessen soll Jerusalem «ein offener Ort bleiben», damit all die Menschen, die zu ihm hinströmen, Platz finden. Es ist die Vision eines vitalen, pulsierenden Weltzentrums.

Für den Schutz der Stadt garantiert Gott. Er warnt die Völker davor, Zion nur schon anzutasten. Allerdings droht Gott nicht mit Vergeltung. Er ist es nicht, der Zerstörung über die Völker bringt. Wer Zion antastet, geht an sich selbst zugrunde, weil er «seinen Augapfel» antastet und sich so selbst verletzt.

Ein starkes Bild: Wenn Menschen einander Gewalt antun, verletzen sie sich am eigenen Auge. Sie werden blind. Sie verlieren die offene Gesellschaft aus dem Blick, die Stadt, die den Menschen Zuflucht bietet und Hoffnung schenkt. Diese Weltstadt kann nicht durch Stacheldrähte gesichert werden. Sie verlangt nach Frieden und offenen Augen für die Mitmenschen. Wer hingegen Gewalt ausübt, vergeht sich an dieser Vision und damit an der Menschheit selbst. Und er gefährdet den eigenen Augapfel, etwas vom Kostbarsten und Verletzlichsten, das er besitzt.

Von: Felix Reich

1. September

So spricht der HERR, dein Erlöser, der dich von Mutterleibe bereitet hat: Ich bin der HERR, der alles schafft, der den Himmel ausbreitet allein und die Erde fest macht ohne Gehilfen. Jesaja 44,24

Durch das prophetische Wort beansprucht Gott seinen unangefochtenen Rang. Er fordert Gehorsam und Dienerschaft. Alle Wahrsager straft er Lügen und gibt sie der Lächerlichkeit preis, die Zeichen der Orakelpriester verlieren ihre Gültigkeit. Gott ist jene Macht über allen Mächten, die keine Gehilfen braucht. Selbst Himmel und Erde, die Bäume und die gesamte Schöpfung singen ihm ihr Loblied.

Die Herrschaft Gottes gründet aber nicht auf Gewalt. Gott verlangt nicht Unterwerfung, er verspricht Erlösung. Alle Vergehen hat er weggewischt, Sünden aufgelöst wie flüchtiges Gewölk. Gott schenkt die Hoffnung, dass auf den Trümmern der Geschichte eine verheissungsvolle Zukunft auf-gebaut werden kann. Er richtet die Menschen, die sich ihm anvertrauen, aus und immer wieder auf.

Zum Menschen bekannt hat sich Gott, noch bevor sich jemand zu ihm bekennen konnte, denn er hat ihn «von Mutterleibe bereitet». Es ist eine Zusage, die Geborgenheit verheisst. Das passende Bild dafür, das Erfahrung ist, scheint mir keine spektakuläre Erweckung, sondern das getroste Einschlafen mit vertrauten Liedern und Gebeten.

Von: Felix Reich