Tag: 30. September 2024

30. September

Abner rief Joab zu: Soll denn das Schwert ohne Ende fressen? Weisst du nicht, dass daraus am Ende nur Jammer kommen wird? 2. Samuel 2,26

Abners Worte sind wahr. Bis heute. Das Schwert ist unersättlich. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Doch wie lässt sich die Spirale der Gewalt durchbrechen? Die Erzählung vom Krieg zwischen dem Haus Davids und dem Haus Sauls liefert keine Antwort. Im Gegenteil: Sie zeigt schonungslos auf, wie langlebig die Gewalt und wie fragil der Friede ist, wie zerstörerisch der Schmerz gärt.
Seine Worte spricht Abner mit dem Rücken zur Wand. Im Schlachtgetümmel hat er in Notwehr Joabs Bruder getötet. Später erweist er sich als kluger Verhandler, der den blutigen Bürgerkrieg beenden kann, indem er das Vertrauen seines erstarkten Gegners, David, gewinnt. Doch die Antworten auf seine Fragen holen ihn ein. Joab übt Blutrache für seinen Bruder und bringt Abner um. David distanziert sich von der Tat: «Vor dem Herrn sind ich und mein Königtum für immer unschuldig am Blut Abners.» (2. Samuel 3,28)
Die Erzählung zeigt, wie persönliche und politische Interessen sich ineinander verstricken, Verletzungen und Machtansprüche sich vermischen. Und sie ruft eindringlich dazu auf, andere Wege zu beschreiten als jene blutigen Pfade, die sie beschreibt.

Von: Felix Reich

Mittelteil September / Oktober

Boldern gibt Jugendlichen eine Chance

Boldern ist ein einmaliger Ort, der Menschen begeistert,
wo Menschen sich begegnen, sich mit gesellschaftspolitischen,
theologischen, ökologischen und kulturellen Themen
auseinandersetzen und sich herausfordern lassen. Eine ungezwungene,
herzliche Gastfreundschaft im Hotel Boldern trägt zum Wohlbefinden der Gäste bei.
Wir freuen uns, dass nach den Sommerferien 2024 ein neues Kapitel in der Geschichte Bolderns konkret wird. Wie vormals der Trägerverein Boldern verfolgt die Stiftung Boldern auch die Planung und Realisierung sozialer Projekte.
Zusammen mit dem Hotel Boldern prüfte der Stiftungsrat die Idee für ein Arbeitsintegrationsprojekt. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus drei Stiftungsrät:innen, der Geschäftsleiterin der Stiftung, dem Verwaltungsratspräsidenten des Hotels sowie den beiden Hoteldirektorinnen, arbeitete ein Konzept aus. Gemäss Stiftungszweck der Stiftung Boldern und der
Strategie des Hotels Boldern sollen Menschen mit besonderem Förderbedarf Möglichkeiten erhalten, zu lernen, sich weiterzuentwickeln und sich so im ersten Arbeitsmarkt im Bereich Gastronomie und Hotellerie zu integrieren.
Schon bald wurde der Arbeitsgruppe klar, dass das Hotel und die Stiftung Boldern die Zusammenarbeit mit einer Institution suchen müssen, die die agogische Begleitung der Lernenden und die Beziehung zur Invalidenversicherung (IV) und anderen zuweisenden Organisationen übernehmen würde. Es lag deshalb nahe, das Kompetenzzentrum Appisberg (siehe Kasten) ins Boot zu holen, das sich ja bereits um den Liegenschaftenunterhalt und die Pflege des Naturparks Boldern kümmert.
Das Kompetenzzentrum Appisberg begleitet vorwiegend Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Weg ins Berufsleben im ersten Arbeitsmarkt. Die Teilnehmenden absolvieren eine Ausbildung zum Erlangen eines eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses EFZ oder eines eidgenössischen Berufsattests EBA. Die Lernenden besuchen die Berufsfachschule und überbetriebliche Kurse in regulären Klassen.
Aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen (psychische Beeinträchtigungen und Lernbeeinträchtigungen wie Persönlichkeitsstörungen, Autismus-Spektrum-Störungen, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Depressionen, Traumata usw.) haben die Lernenden Anspruch auf Unterstützung durch die IV. Nichtsdestotrotz wird den Teilnehmenden nach entsprechenden Abklärungen zugetraut, dass sie mit zusätzlicher Unterstützung den Sprung ins Arbeitsleben schaffen.
Erfreulicherweise war das Interesse des Appisberg an einer Zusammenarbeit gross, sodass wir bald gemeinsam ein Detailkonzept erarbeiten konnten. Zu Beginn werden im Hotel Boldern zwei Lehrstellen für Menschen mit einer Beeinträchtigung geschaffen, eine im Bereich Küche und eine im Bereich Hauswirtschaft. Das Hotel Boldern wird somit ein Partnerbetrieb des Appisberg und kann von dessen reichhaltiger Erfahrung und Kompetenz profitieren.
Am 28. November 2023 stimmte der Stiftungsrat dem Arbeitsintegrationsprojekt im Hotel Boldern zu. Nun stehen wir bereits in der Umsetzung des Projekts. Eine der beiden Lehren hat nach den Sommerferien 2024 begonnen.


APPISBERG ist ein Kompetenzzentrum für berufliche Integration, das Abklärungen und Ausbildungen für Menschen mit besonderem Förderbedarf anbietet. Zum Angebot gehören auch sozialpädagogisch geführte Wohngruppen.
Der Sitz des Kompetenzzentrums ist – wie Boldern – in Männedorf. www.appisberg.ch

Von: Madeleine Strub-Jaccoud und Dominique Meier