Autor: Monika Britt

9. März

Himmel und Erde sind dein, du hast gegründet
den Erdkreis und was darinnen ist. Nord und Süd
hast du geschaffen. Psalm 89,12–13

Eine Sehnsucht spricht aus diesen Worten. Himmel und Erde, Nord und Süd, alles scheint so weit entfernt. Aber all das wurde als Erdkreis gegründet, mit allem, was darinnen ist. Wie ein Kokon mit klar definierten Grenzen. Von Gott hervorgebracht, dein sind Himmel und Erde, du hast sie geschaffen. Nichts ist der Leere, der Ungewissheit, dem Zufall ausgesetzt. Nicht nur Sehnsucht spricht aus diesem Vers, sondern auch Zuversicht, denn es sind ein Wille und eine Absicht erkennbar.
Wir können in unserem Leben nur einen Bruchteil dieses Erdenkreises und was darinnen ist erfassen. Deshalb bleibt die Sehnsucht als eine besondere Art der Verbindung zu Gott. So wie Gott bleiben auch andere Menschen unverfügbar und die Verbindung zu ihnen bleibt von Sehnsucht durchsetzt. Einen anderen Menschen kann ich niemals besitzen, auch ein mir nahestehender Mensch bleibt ein Stück weit unverfügbar. Zwischen zwei Menschen, die in denselben Erdkreis gestellt wurden, bleibt eine unüberwindbare Entfernung bestehen. Es bleibt eine Sehnsucht, eine Sehnsucht nach Geist und nach Leben, und diese zieht Menschen gegenseitig an. Diese Sehnsucht sagt mehr über uns aus als das, was wir zeigen wollen, was wir erreicht haben und worauf wir stolz sind.

Von: Monika Britt

9. Januar

Unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen:
Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch
am Trost teil.
2. Korinther 1,7

Wir alle leiden und brauchen Trost, wir haben aber auch teil am Leiden von Christus und an seinem Trost. Wenn ich meine eigene Verletzlichkeit und meine Trostbedürftigkeit annehme, werde ich offen für die Verletzlichkeit und Trostbedürftigkeit anderer. Ich habe teil an ihrem Leiden.
Sehe ich meinen Nächsten leiden, drängt sich mir eine Verantwortung für ihn auf. Ich antworte auf sein Leiden, und das macht mich zum Menschen. So schildert es Emmanuel Lévinas in seiner Schrift «Totalität und Unendlichkeit».
Paulus hat Hoffnung für die Menschen der Gemeinde in Korinth, weil er weiss, dass diese Menschen teilhaben am Leid, das sich in Jesus Christus gezeigt hat. Er weiss, dass wer an diesem Leid Anteil hat, sich auf das Leiden anderer einlassen kann und so in der Lage ist, dem Leid nicht auszuweichen, sondern standzuhalten und da zu sein. Paulus selbst hat gelitten und zeigt sich trostbedürftig. So zeigt er, dass wir Leid zulassen dürfen. Aufmerksam sein für die Not, die um uns geschieht, und hören, was meinen Nächsten bewegt, ermöglicht Raum für Klage. Ist dieser Raum gegeben, kann sich Trost einstellen, der aufrichtet und neuen Lebensmut schenkt. Der Glaube bestärkt uns darin, klagen und traurig sein nicht mit Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit gleichzusetzen, und er bewahrt uns vor billigem Beschwichtigen oder Vertrösten.

Von: Monika Britt

9. November

Gottes unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft
und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt,
wenn man es mit Vernunft wahrnimmt, an seinen
Werken ersehen. Römer 1,20

Es geht hier um den Glauben, und doch spielt dabei die
Vernunft offenbar eine wichtige Rolle. Mit Vernunft wahrnehmen,
geht das? Wahrnehmen mit Hilfe des Denkens?
Nur wenn wir Gottes Werke mit Vernunft wahrnehmen,
sehen wir darin sein unsichtbares Wesen. Gottes Wesen spiegelt
sich in der Schöpfung. Dies vergessen wir oft. Unsere
Welt ist Heimat unendlich vieler Lebewesen, doch wir nutzen
sie als unser Verbrauchsmaterial. Als Menschen haben
wir eine Verantwortung für die Welt, beziehungsweise die
Schöpfung, und sollten sie hegen und pflegen im Wissen,
dass jedes Leben, unabhängig von unseren Ansprüchen, sein
Lebensrecht hat.
Die Welt, in der wir leben, ist auch in unserem Inneren, und
wenn sie zerstört wird, leiden wir mit. Verdrängen wir das
Leiden der Welt und unsere Mitschuld daran, schaden wir
also auch uns selbst.
Was wir eigentlich wissen, müssen wir mit Hilfe der Vernunft
anerkennen. Erst dann erkennen wir in der Schöpfung
auch Gottes unsichtbares Wesen. Erst dann finden wir einen
sorgsameren Umgang, sind wacher für unsere Umwelt und
ziehen Konsequenzen aus unserem Umgang mit ihr.
So werden Umkehr und Neuanfang möglich.

Von: Monika Britt

9. September

Es hat dem HERRN gefallen,
euch zu seinem Volk zu machen.
1. Samuel 12,22

Ein Wort, das Vertrauen weckt. Gott lässt sein Volk nicht im Stich, er steht zu seinem Entschluss. Ich darf darauf vertrauen, dass er nicht launisch handelt. Gott selbst hat ja Gefallen an dem, was er bewirkt.
Treue ist nicht selbstverständlich. Wenn ich erwarte, dass mir meine Freunde die Treue halten, muss auch ich meinen Beitrag dafür leisten. Aber wahre Freunde bleiben trotz Fehlern treu. Unachtsame Kommunikation kann eine Freundschaft bedrohen. Auf Reue folgt aber Vergebung. Freundschaft basiert auf Geben und Nehmen, und mit Freunden verbringen wir gerne Zeit.
Hier redet Samuel zum Volk, weil er ihm Gewissheit geben will, dass Gott treu ist. Gott steht mit seinem Volk in einer Beziehung. Wie in einer Freundschaft geht es auch in dieser Beziehung um Geben und Nehmen, um Reue und Vergebung. Wir Menschen erkennen oft erst in der Not, dass wir Gott brauchen. Und dann sind wir verunsichert und fragen: Habe ich Gott etwas gegeben? Habe ich seine Gaben mit Dankbarkeit angenommen und bin ich mit seiner Schöpfung verantwortlich umgegangen? Wenn ich plötzlich nach Gott frage und mir dann einfällt, dass ich kaum etwas gegeben habe, und ich dies bereue, darf ich mit Vergebung rechnen.
Ich darf mich darauf verlassen, dass Gott an der Beziehung zu uns festhält, denn Gott selbst hat Gefallen an ihr.

Von: Monika Britt

9. Juli

Erschienen ist die Gnade Gottes, allen Menschen zum
Heil. Sie erzieht uns dazu, der Gottlosigkeit und den
Begierden der Welt abzuschwören und besonnen,
gerecht und fromm zu leben in dieser Weltzeit.

Titus 2,11–12

Zwei Verse aus dem Brief an Titus, in denen es um den
im Alltag gelebten Glauben geht. Paulus möchte in diesem
Brief dazu beitragen, in Korinth eine geordnete Gemeinde
aufzubauen.
Im ersten Vers wird uns Freude geschenkt. Wir dürfen uns
entspannen und loslassen, denn die Gnade Gottes ist allen
Menschen zum Heil erschienen. Aber bereits im zweiten
Vers wird die Freude über das Loslassendürfen getrübt. Die
Gnade Gottes erzieht uns. Das tönt nach Anstrengung. Wir
sollen dazu erzogen werden, besonnen, gerecht und fromm
zu leben. Das wollen wir zwar alle, schaffen es aber nicht
immer. Soll es dank der Erziehung durch die Gnade Gottes
möglich sein?
Ja, wir können diesen Vers positiv betrachten: Wenn wir
ein Kind erziehen, begleiten wir es. Wir zeigen ihm, wo es in
Sicherheit spielen kann und wo es etwas zum Lernen gibt.
Wir führen es zur Ruhe, bereiten ihm ein Nest der Geborgenheit,
wo es die vielen Eindrücke des Tages verarbeiten und
sich entspannen kann. Erziehung bietet einen Schutz- und
Lernraum und ermöglicht, in der Stille zu sich selbst zu finden.
Die Flut von Reizen, Begierden und Informationen darf
ruhen. Dank der Gnade Gottes, die uns erzieht.

Von: Monika Britt

9. Mai

Dein Volk spricht: «Der HERR handelt nicht recht»,
während doch sie nicht recht handeln.
Hesekiel 33,17

Wer entscheidet eigentlich, wie wir handeln sollen und
was gerecht ist? Hesekiel war ein Prophet, und es war seine
Absicht, die Herrlichkeit Gottes zu verkünden. Er legte dar,
dass dem, der Unrecht begeht, aber bereut und umkehrt, das
Unrecht nicht angerechnet wird. Dass aber auch jener, der
kein Unrecht tut, sich nicht auf seine Gerechtigkeit verlassen
kann. Auch er begeht irgendwann Unrecht.
Es steht uns nicht zu, zu urteilen, wer recht und wer unrecht
handelt. Und es steht uns schon gar nicht zu, zu verurteilen.
Was wir vom Leben anderer Menschen mitbekommen, sind
nur kleine Ausschnitte. Wir wissen nicht, was hinter ihren
Taten steckt. Und auch wenn wir es wüssten, stecken wir
nicht in ihrer Haut.
Und wie ist es mit dem Urteilen über Gott? Manchmal denken
wir: Gott handelt ungerecht. Wir trauern über kranke
oder verstorbene Angehörige, wir verstehen nicht, warum
Unschuldige leiden müssen. Sollte Gott nicht ein Leben in
Gerechtigkeit für alle möglich machen? Mit der Frage nach
Gerechtigkeit setzt sich die Philosophie seit vielen Jahren
auseinander. Dennoch haben wir keine definitive Antwort,
die für alle richtig ist. Wie bereits Hesekiel verkündet hat,
kann niemand immer gerecht handeln. Aber wir dürfen hoffen
und glauben, dass umfassende Gerechtigkeit unerwartet
und unverdient zur Wirklichkeit aller wird.

Von: Monika Britt

9. März

Es freue sich das Herz derer,
die den HERRN suchen!
Psalm 105,3

Ein Psalm des Lobes. Darin werden die Wohltaten aufgezählt, die Gott den Israeliten im Lauf ihrer Geschichte geschenkt hat. Am Anfang steht die Aufforderung, Gott zu suchen. Mit der Erinnerung an die Ereignisse auf dem Weg mit Gott wächst die Freude im Herzen. Die geschichtlichen Ereignisse dienen als Modell für die Gegenwart. Sie gehören zum kollektiven Gedächtnis eines ganzen Volkes und tragen zu dessen Identitätsstiftung bei.
Es ist gut, Gott zu suchen und zu loben. Loben wir aber auch einander. Dazu müssen wir erkennen, was Menschen um uns herum Gutes und Schönes tun. Wir denken vielleicht, das sei alles selbstverständlich und nichts Besonderes. Und doch blühen wir alle auf, wenn uns jemand ein echtes, ernst gemeintes Lob ausspricht.
Loben ist danken für das Schöne und Gute. Wenn ich jemanden lobe, sehe ich, dass dieses Schöne und Gute nicht selbstverständlich ist. Ich sehe, dass sich ein Mensch Mühe gibt. Sei es, dass er bei sich selbst seine natürliche Schönheit zur Geltung bringt, sei es, dass jemand etwas Schönes hergestellt hat oder einem Mitmenschen hilft.
Durch Loben freut sich das Herz des Gelobten und des Lobenden. Wenn wir einander loben, loben wir auch Gott und erinnern uns an seinen Weg mit uns. Der Wunsch, sein Wort im Alltag umzusetzen, nimmt so Gestalt an.

Von: Monika Britt

9. Januar

Und alsbald trieb der Geist Jesus in die Wüste;
und er war in der Wüste vierzig Tage und wurde
versucht von dem Satan und war bei den Tieren,
und die Engel dienten ihm.
Markus 1,12–13

Bei der Taufe Jesu ist der Geist wie eine Taube auf ihn herabgekommen und man hörte die Worte: du bist mein geliebter Sohn. Worte, die Kraft und Zuversicht verleihen. Ein neues Leben beginnt.
Doch nun treibt derselbe Geist den frisch Getauften in die Wüste an einen lebensfeindlichen Ort. Einen Ort, wo Einsamkeit, Hunger und Durst herrschen. Wasser ist kaum zu finden und wer sich verirrt, dem droht der Tod. Vierzig Tage lang ist Jesus nur in Gesellschaft von Tieren und von Engeln, die ihm dienen. Er hat von den Engeln Unterstützung erfahren.
Manchmal fühlen wir uns wie in der Wüste. Verlassen und durstig nach Beistand, Hilfe, Trost. Ausgetrocknet, weil sich die Liebe scheinbar verabschiedet von der Welt. Dann sind wir versucht, aufzugeben und uns passiv dem Schicksal zu überlassen. Jesus ist in diese Versuchung geführt worden, aber er hält stand. Engel haben ihm gedient. Unwirtliche Orte gehören zu den Stationen auf dem Lebensweg, genauso wie frische Quellen, die Durst löschen. Geben wir also nicht auf, werfen wir nicht alles hin. Auch uns gelten die Worte der Kraft und Zuversicht. Halten wir Ausschau nach den Engeln, die auch in der Wüste zu finden sind.

Von: Monika Britt

28. November

Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi
und Haushalter über Gottes Geheimnisse.
1. Korinther 4,1

Paulus meint mit «uns» sich selbst. Dieses «uns» deutet
aber auch auf alle Christ:innen hin. Wer sich als Christ versteht,
zielt nicht darauf ab, anderen zu zeigen, was er oder
sie geleistet hat. Ob mich jemand für reich oder arm hält, ob
ich einen prestigeträchtigen Beruf habe, ob ich eine Vorzeigekarriere
gemacht habe oder ob ich arbeitslos bin – all das
ist nicht relevant. Wichtig ist, dass ich Christus diene; also
das lebe, was er mir vorgelebt hat: meinen Nächsten lieben
wie mich selbst, meine Feinde lieben, Frieden stiften. Wir
kennen das, wir wissen, wie ein Leben als Diener:in Christi
aussehen sollte. Etwas anderes ist es allerdings, dieses Leben
auch so zu leben.
Mit Gottes Geheimnissen sollen wir haushälterisch
umgehen. Das geht nur, wenn uns wenigstens einige dieser
Geheimnisse offenbar geworden sind. Es handelt sich
um geistige Wahrheiten, die nicht einfach zu erkennen sind.
Es braucht Geduld, Offenheit und die Auseinandersetzung
mit der guten Nachricht. Um den Geheimnissen Gottes auf
die Spur zu kommen, muss ich also ein wenig forschen, zum
Beispiel indem ich biblische Aussagen auf mich wirken lasse
und mir überlege, was sie für mich bedeuten. Erzwingen
kann ich aber die Offenbarung dieser Geheimnisse nicht.
Um die Forderungen von Paulus zu erfüllen, braucht es
wohl die Offenheit für Geheimnisse und die Zuversicht, die
ich dadurch ausstrahle.

Von: Monika Britt

28. September

Maria behielt alle diese Worte und bewegte sie
in ihrem Herzen.
Lukas 2,19

Hirten verkünden die Worte, die der Engel zu ihnen ge-
sprochen hat: Fürchtet euch nicht! Euch wurde heute der Retter geboren, der Gesalbte, der Herr, in der Stadt Davids. Maria hört gut zu und die Worte berühren ihr Herz. Sie beschäftigt sich mit ihnen und erwägt ihre Bedeutung. Weil sie die Worte in ihr Herz aufnimmt, behält sie sie im Gedächtnis. Maria ist emotional betroffen und umhüllt die Worte mit ihrer Liebe.
Die junge Mutter ist erschöpft von der Geburt ihres Sohnes, aber sie ist glücklich. So vieles hätte schiefgehen können. Nun ist sie dankbar für das gesunde Kind. Schön, dass sich mit ihr zusammen auch andere freuen. Hirten sprechen ihr Mut zu. Sie wissen bereits, dass es sich hier um ein besonderes Kind handelt.
Maria staunt; sie ahnt, dass ihr Leben als Mutter dieses besonderen Kindes nicht einfach wird. Dieser Moment, diese Worte geben ihr Kraft. Sie wird nicht vergessen, dass andere Menschen Anteil nehmen an ihrer Freude, an ihrer Dankbarkeit und an ihrem Stolz. Sie braucht den ermutigenden Klang dieser Worte jetzt und in Zukunft.
In ihrem Leben muss Maria zahlreiche Verletzungen hinnehmen und sie muss zusehen, wie ihr Sohn hingerichtet wird. Sie erträgt diesen unglaublichen Schmerz. Die Worte in ihrem Herzen stärken sie: Fürchte dich nicht, Maria!

Von: Monika Britt