Autor: Carsten Marx

6. Januar

Du herrschest über das ungestüme Meer, du stillest seine Wellen, wenn sie sich erheben. Psalm 89,10

Dieses Bild aus Psalm 89 braucht nur wenige Worte, um eine tiefe Wahrheit zu tragen: Gott ist grösser als das grösste Chaos, das uns treffen kann. Die Welt hat Wellen, die zu laut klatschen – Sorgen, Krankheit, Trennung, politische Unruhe –, doch inmitten des aufschäumenden Wassers bleibt seine Gegenwart bestehen. Der Vers erinnert daran, dass Ordnung möglich ist, auch wenn der Sturm tobt. Nicht weil der Sturm sich schnell legt, sondern weil der Herr über ihm steht und uns an die Hand nimmt.
Als Jungscharkind lernte ich das 1960 von Martin Gotthard Schneider getextete und komponierte Lied kennen. In Strophe 5 heisst es: «Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit. Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heisst Gottes Ewigkeit. Und wenn uns Einsamkeit bedroht, wenn Angst uns überfällt: Viel Freunde sind mit unterwegs auf gleichen Kurs gestellt. Das gibt uns wieder neuen Mut, wir sind nicht mehr allein. So läuft das Schiff nach langer Fahrt in Gottes Hafen ein!»
Das Bild des Sturms soll uns zeigen: Die Suche nach dem richtigen Kurs fällt oft schwer, weil vieles durcheinandergerät. Im Hören auf Gott und in der Stille wird ein richtiger Weg erkennbar.

Von: Carsten Marx

5. Januar

Der HERR ist seines Volkes Stärke. Psalm 28,8

David spricht in Psalm 28 nicht nur von sich selbst. Er weitet den Blick auf das ganze Volk Gottes aus. Gott ist nicht nur sein persönlicher Halt, sondern die gemeinsame Stärke aller, die ihm vertrauen.
Stärke meint hier nicht rohe Kraft oder militärische Macht, sondern innere Festigkeit und Standhaftigkeit. Wenn David also sagt: «Der HERR ist meines Volkes Stärke», dann meint er: «Gott ist die Kraftquelle, die uns durchträgt, wenn wir selbst nicht mehr können.»
Wir leben in einer Zeit, in der vieles wankt – Sicherheiten, Gewohnheiten, manchmal auch das Vertrauen in uns selbst oder in andere Menschen. Da klingt dieses alte Bekenntnis wie eine Einladung: «Der HERR ist deines Volkes Stärke.»
Gottes Volk – das sind wir alle, die auf seinen Namen vertrauen. Und seine Stärke zeigt sich oft gerade da, wo wir schwach werden. Er schenkt Mut, wo Angst herrscht. Er schenkt Trost, wo Tränen fliessen. Er schenkt Hoffnung, wo menschlich gesehen nichts mehr zu hoffen ist.
Diese Zusage gilt uns heute: Wir sind stark, weil Gott mitten unter uns wohnt als unsere Stärke, unsere Zuflucht und unsere Rettung.

Von: Carsten Marx

6. November

Um meines Namens willen halte ich meinen Zorn
zurück, und um meines Ruhmes willen bezähme ich
mich zu deinen Gunsten, dass ich dich nicht ausrotte.
Jesaja 48,9

Wer stark ist, kann den Zorn spüren. Wer weise ist, hält inne.
Macht schützt, wenn gelernt wird, sie zu zügeln.
Stärke soll dem Guten dienen, nicht der Vernichtung. Ruhm
soll nicht zum Eigenlob, sondern zum Dienst an anderen
werden.
Ich muss meine Kraft erkennen können. Ich muss mir klar
werden, wie ich meine Kraft einsetzen kann. Möge ich mit
meiner Kraft immer wieder Spuren der Gnade hinterlassen
können.
Gott, hilf mir, meinen Zorn zu zügeln und meinen Stolz zu
zähmen. Schenke mir Demut, damit mein Handeln Leben
aufbaut und nicht zerstört.
Gott, führe mich zu Wegen der Versöhnung, der Gerechtigkeit
und des Schutzes der Schwachen. Leite mich, damit Ruhm
zu einer Dienstgemeinschaft wird.

Möge der, der uns stärkt, uns helfen, mit Barmherzigkeit zu
handeln und aus dem Zorn Heil zu schaffen. Amen.

Von: Carsten Marx

5. November

Lasst uns unsere Wege prüfen und erforschen, und lasst
uns zurückkehren zum HERRN. Klagelieder 3,40

Heute werde ich aufgerufen, ehrlich und genau hinzuschauen:
auf meine Wege, meine Entscheidungen und meine
Motive. In Not- und Krisenzeiten sagt mir der Vers: Umkehr
ist kein Zufall, sondern eine bewusste Wendung zu Gott.
Wenn ich innehalte und prüfe, erkenne ich, wie Gott auch
in schweren Zeiten treu sein will.
Die Prüfung unserer Wege kann unangenehm sein. Vielleicht
entdecke ich da bei mir selbst: Oh, da habe mich verrannt.
Da sitzen alte Muster fest, sodass gar nichts Neues
wachsen kann. Vielleicht habe ich mich auch so vergaloppiert,
dass ich Gott nicht mehr wahrnehme?
Ich gönne mir heute eine Zeit der Stille. Ich lade Gott ein,
meine Wege zu prüfen. Ich notiere mir drei Bereiche, in
denen Umkehr nötig ist, und wähle konkrete Veränderungen
für heute. Stopp! Warum nur für heute? Ich muss das öfter
tun. Und: Ich suche mir Versöhnung und einen notwendigen
Schritt der Liebe in einer Beziehung. Wenn ich jemanden
verletzt habe, bitte ich ihn um Verzeihung.
Herr, prüfe meine Wege heute und erforsche mein Herz. Zeige
mir, wo ich mich von dir entfernen wollte, und hilf mir, den
Weg der Rückkehr zu dir zu gehen. Stärke mich, damit mein
Wandel und meine Veränderung sichtbar werden. Amen.

Von: Carsten Marx

6. September

Gott spricht: Ich will für Israel wie der Tau sein,
dass es blüht wie eine Lilie.
Hosea 14,6

Einfach nur wunderbar. Grossartige verheissungsvolle Worte. Herrlich: Bilder von Wachstum und Erneuerung. Gott wird für sein Volk da sein, um es zu erfrischen und ihm zu helfen, zu gedeihen und stark zu werden.
Der Tau ist ein Symbol für Erfrischung, Erneuerung und Leben. Tau spendet Feuchtigkeit und bringt die Pflanzen zum Blühen.
Die Lilie ist eine schöne und zarte Blume. Die Lilie symbolisiert Reinheit und Schönheit. Diese Verheissung deutet auf eine Zeit des Aufblühens und der Freude für Israel hin.
Alles in allem weht mir da heute viel Hoffnung entgegen. Hoffnung spielt in der Lebensbewältigung eine zentrale Rolle. Hoffnung spendet mir Trost und motiviert zur positiven Gestaltung des Alltags. Hoffnung ist mehr als nur eine positive Erwartung. Hoffnung ist eine innere Haltung, die uns antreibt, an eine bessere Zukunft zu glauben, auch wenn die Umstände gerade schwierig sind. Hoffnung verleiht uns Kraft, Mut und Ausdauer, um Herausforderungen zu meistern.
Hoffnung hilft mir, schwierige Situationen besser zu verstehen. Hoffnung ermutigt mich, positiv in die Zukunft zu schauen und aktiv an der Gestaltung meines Lebens mitzuwirken. Vielleicht suche ich heute in der Gärtnerei noch nach einer Lilie …

Von: Carsten Marx

5. September

Nimm ja nicht von meinem Munde
das Wort der Wahrheit.
Psalm 119,43

Heute am ökumenischen Tag der Schöpfung wurde ein Losungsvers aus Psalm 119 gezogen.
Das «Wort der Wahrheit» ist eng mit dem Konzept der Schöpfung und mit der Umwelt verbunden, besonders im christlichen Kontext. Es bezieht sich auf die göttliche Wahrheit, die in der Schöpfung, also der gesamten Welt, zum Ausdruck kommt. Die Bewahrung der Schöpfung ist daher auch eine Aufgabe, die sich aus diesem Verständnis ableitet.
In vielen christlichen Traditionen wird Gott als die Quelle der Wahrheit angesehen. Sein Wort, in der Bibel zu finden, ist die Grundlage für das Verständnis von Wahrheit und Moral. Die Schöpfung selbst wird als Ausdruck dieser göttlichen Wahrheit betrachtet. Alles also, was existiert, ist Folge des Wortes Gottes und somit Teil seiner Wahrheit. Die Umwelt, also die Natur und die Welt, in der wir leben, ist ein integraler Bestandteil der Schöpfung. Sie ist nicht von Gott getrennt, sondern ein Ausdruck seiner Schöpferkraft. Daraus ergibt sich eine Verantwortung des Menschen für die Bewahrung der Umwelt. Da die Umwelt ein Teil der Wahrheit Gottes ist, muss sie respektiert und geschützt werden. Dies nennen wir seit vielen Jahren die «Bewahrung der Schöpfung». Die Bibel erzählt von der Erschaffung der Welt durch Gott und betraut den Menschen mit der Aufgabe, die Erde zu bebauen und zu bewahren.

Von: Carsten Marx

6. Juli

Der Übeltäter lasse von seinen Gedanken und bekehre
sich zum HERRN, denn bei ihm ist viel Vergebung.

Jesaja 55,7

Meinen Schlüssel suche ich in der Regel in der Hosentasche.
Meine Brille liegt meistens auf dem Schreibtisch. Meine
Hausschuhe sind oft im Wohnzimmer beim Sofa zu finden,
dort, wo sie am Abend kurz vor dem Einschlafen stehen
geblieben sind. Aber wo finde ich Gott?
Gott steht eben nicht einfach bei mir im Bücherregal. Das
wäre viel zu einfach.
Das Hauptproblem bei der Suche nach Gott ist, dass ich
ihn eigentlich gar nicht finden kann. Gott sprengt unsere
Wahrnehmung und existiert in einer anderen Dimension.
Gott legt Spuren für mich. Er stellt mir Wegbegleiter an die
Seite und lockt mich, zieht mich – mitten ins Leben hinein
und zu sich. Manchmal macht Gott das automatisch. Gott
lässt sich an seiner Wirkung erkennen. Gott wird für manche
zum Trost, zum Beispiel am Grab oder im Gebet. Kirchgemeinden,
Vereine und Einzelpersonen öffnen ihre Häuser
und Wohnzimmer, um Kaffee, Tee, Zeit, Energie und Wärme
zu teilen. Gott wird für manche in der Gemeinschaft spürbar.
Wie finde ich Gott? Menschen vor über 2500 Jahren
brauchten diese Frage genauso wie wir heute. Jesaja sagte
den Israeliten damals ins Gesicht: Die Suche nach Gott
lohnt sich. Macht euch auf den Weg. Bei Gott bist du, lieber
Mensch, die Nummer eins.

Von: Carsten Marx

5. Juli

Die Frau sprach: Kommt, seht einen Menschen,
der mir alles gesagt hat, was ich getan habe, ob er
nicht der Christus sei!
Johannes 4,29

Offenbar sind da der Frau am Jakobsbrunnen die Augen
geöffnet worden. Sie überlegt hin und her und stellt sich
die Frage: War das jetzt der Messias, dem ich begegnet bin?
Wow, da ist etwas passiert in dem Gespräch. Jesus sitzt am
Brunnen. Er spricht dich an. Er reicht dir die Hand.
Ich denke an eine Begebenheit anlässlich eines Geburtstagsbesuchs
bei einer 86-jährigen Dame. Ein Besuch, der
mir erneut Mut gemacht hat, bei dem zu bleiben, was unser
Kerngeschäft als Pfarrpersonen ist: Beten, Gott loben, und
das möglichst nicht im stillen Kämmerlein. Gemeinschaft
ermöglichen. Singen. Abendmahl feiern. Die Hand reichen.
Für die da sein, die es allein nicht mehr schaffen, in unserer
Gesellschaft klarzukommen: Kinder, Alte, Kranke, Gestrandete.
Auch ein Ohr für diejenigen zu haben, die nicht mit
allem einverstanden sind, was die Institution Kirche so
macht.
Was hat Jesus am Jakobsbrunnen gemacht? Er hat Durst
und hat die Frau um Wasser gebeten. Er hat diese Frau als
gleichwertig angesehen. Er hat die Frau respektiert und ihre
Meinung, ihre Bedürfnisse und Gefühle wertgeschätzt.
Ich freue mich heute ganz besonders auf viele unterschiedliche
Begegnungen.

Von: Carsten Marx

6. Mai

So hört nun, ihr, die ihr ferne seid,
was ich getan habe, und die ihr nahe seid,
erkennt meine Stärke!
Jesaja 33,13

Gott kann uns nah und fern sein. Wir können Gottes Hilfe
und seine Nähe in Situationen eigener Schwäche und Hilflosigkeit
spüren. Es kann auch Phasen geben, in denen wir
von Gottes Führung und Liebe überhaupt nichts merken.
Dann scheint sich Gott zu verbergen und ganz fern zu sein.
Leider ist das allzu oft die Realität, in der viele Menschen vor
sich hinleben. Sie fühlen sich von Gott alleingelassen, nach
dem Motto: Ich bin Gott egal, also ist mir Gott auch egal.
Nähe gibt Menschen Kraft. Nähe gibt Sicherheit und das
Gefühl, nicht allein zu sein.
Nahe kommt uns Gott überall, wo sein Wort laut wird und
Menschen ihre Erfahrungen mit ihm teilen: im Gottesdienst,
in der Hausandacht, im Bibelkreis, beim Hausbesuch, im Religionsunterricht,
in der geistlichen Abendmusik. Nähe ist ein
Weg, um Liebe zu zeigen und Liebe zu erleben.
Wir sind Gott lieb und wichtig. Er möchte uns immer wieder
nahekommen. Wir sollen seine Stärke erkennen.
1938 hat Jochen Klepper gedichtet: «Er ist mir täglich nahe
und spricht mich selbst gerecht. Was ich von ihm empfahe,
gibt sonst kein Herr dem Knecht. Wie wohl hat’s hier der
Sklave, der Herr hält sich bereit, dass er ihn aus dem Schlafe,
zu seinem Dienst geleit.» Vielleicht schauen wir heute in
unser Gesangbuch und stimmen uns auf die Nähe Gottes ein.

Von: Carsten Marx

5. Mai

Der HERR verstösst nicht ewig; sondern er betrübt wohl
und erbarmt sich wieder nach seiner grossen Güte.

Klagelieder 3,31–32

Vier Monate und ein paar Tage ist das Kalenderjahr 2025
schon wieder alt. Gerade in den ersten Tagen eines neuen
Monats halte ich gerne Rückschau: Was war alles im Vormonat
los? Wann war der Kalender besonders dicht gefüllt bei
mir? Oft denke ich mir im Rückblick auf den Vormonat: Gib
dem, was dir wichtig ist, Termine und nicht den Terminen
die Wichtigkeit. Wenn alles so einfach wäre!
Auch Jeremia hält Rückschau. Allerdings ist das kein
Monats- oder Jahresrückblick. Es ist ein Rückblick auf die
jüngste Geschichte seines Volkes Israel mit Gott. Jeremia
erkennt dabei, dass Gott auch verstossen kann. Wie Israel in
die babylonische Gefangenschaft, weil es Gottes jahrzehntelange
Warnungen in den Wind geschlagen hatte. Gott
kann auch betrüben oder Menschen Lasten auferlegen. Jeremia
weiss aber: Der HERR verstösst nicht ewig, sondern er
erbarmt sich wieder nach seiner grossen Güte. Gott hat
Weitblick! Gott kennt immer einen Weg für uns Menschen.
Gott lässt uns nicht fallen. Der Glaube an den Gott, der Menschen
Schwierigkeiten zumutet, ihnen aber auch in diesen
Schwierigkeiten hilft, dieser Glaube trägt an guten und an
schweren Tagen. Gott hat unzählige Menschen getragen
und er trägt auch in der Zukunft unzählige Menschen. Das
glaube ich.

Von: Carsten Marx