Der Geheilte stand auf und nahm sogleich sein
Bett und ging hinaus vor aller Augen, sodass sie sich
alle entsetzten und Gott priesen und sprachen:
Wir haben solches noch nie gesehen. Markus 2,12
In dieser bekannten Geschichte stolpere ich über zwei Wörter: «entsetzen» und «preisen». Die Heilung des Kranken löst anscheinend gegensätzliche Reaktionen aus.
Da ist der Schrecken über die Tat Jesu. Ist es Schrecken über die Durchbrechung des Gewohnten? Vom Ort des Krank- und Gefangenseins wegzugehen, ist ein Akt der Befreiung. Da nimmt einer sein Bett und geht nach der Erlösung hinaus. Die in der Hütte eng gedrängten Beobachter der Szene müssen bei allem Schrecken doch auch den Hauch dieser Befreiung, des Heils der Heilung gespürt haben, sonst würden sie nicht «preisen»!
Sie verbinden das noch nie Gesehene, die Befreiung, mit Jahwe.
Der Dialog mit den Schriftgelehrten, der unserem Text vorausgeht, verweist ja auf zwei Befreiungsnotwendigkeiten beziehungsweise Befreiungsmöglichkeiten: Vergebung und Heilung. Beide sind ureigenste Bestandteile eines Lebens mit und in Gott. Täglich erkennen wir «Krankheit», die sich in den Unversöhnlichkeiten zwischen Menschen oft auch physischen Ausdruck verschafft. Die Vollmacht Gottes in Christus liegt für uns, so glaube ich, in gelebter Vergebung, um aufzustehen für ein neues Leben.
Von: Gert Rüppell