Ich habe die Erde gemacht und Menschen und Tiere, die auf Erden sind, durch meine grosse Kraft und meinen ausgestreckten Arm und gebe sie, wem ich will. Jeremia 27,5
Ist der Ewige willkürlich? Ist er ein absoluter Herrscher, der nach Lust und Laune Gunst gewährt oder entzieht? Können die Autokraten, die derzeit die Schlagzeilen bestimmen, sich auf Gottesworte wie dieses berufen, wenn sie gross werden lassen, wer ihnen schmeichelt, aber ins Elend stossen, wer ihnen nicht passt? Aus dem heutigen Losungswort kann ein solcher Beiklang herausgehört werden.
«Denn Gottes Wege sind nun mal verworren und diskret.» So formulierte der Kabarettist Georg Kreisler vor Jahren. Wir haben den Überblick nicht. Wir sehen nicht das Ganze. Uns kommt vieles sinnlos vor, was in unserer kleinen oder in der grossen Welt geschieht. Können und wollen wir mit Paul Gerhardt bekennen: «Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl» (RG 680,7)?
Das muss Jeremia dem Volk als Botschaft zumuten: Ihr müsst euch auf das Exil einstellen, auf den Verlust des Vertrauten. Das ist nicht finsteres Geschick, sondern Konsequenz des Irrwegs, den ihr seit langem verfolgt. Gott wird das Korrupte zusammenbrechen lassen, um einen gründlichen Neuanfang zu machen. Es wird nicht ausbleiben, dass ihr darin Sinnlosigkeit und Gott als willkürlich erlebt, doch glaubt trotz allem an Gottes Gerechtigkeit und daran, dass Gott das Leben will und schafft.
Von: Benedict Schubert