Ihre Gemeinde soll vor mir fest gegründet stehen. Jeremia 30,20
Traumatisierte Menschen sind sehr leicht zu verunsichern. Sie können die persönliche oder kollektive Katastrophe, die sie überlebt haben, nicht einfach hinter sich lassen. Der Schrecken, die Angst, der Schmerz, die Panik melden sich immer wieder, meist in den ungünstigsten Momenten. Und die derart tief Verunsicherten werden zurückgeworfen in ihrem Versuch, ihrem Leben endlich wieder Stabilität zu verleihen.
Das nach Babylon vertriebene und verschleppte Gottesvolk steht für die vielen, die seither vertrieben und verschleppt wurden. Manche von ihnen sind unsere Nachbarinnen und Nachbarn geworden. Sie bemühen sich, festen Boden unter ihren Füssen zu finden, doch – das ist die Kehrseite der heutigen Kommunikationsmittel – weil ständig wieder neue Schreckensnachrichten aus ihrer Heimat sie erreichen, wird das Leben, das sie mitten unter uns führen, andauernd von Neuem erschüttert. Der leider oft zu vernehmende Appell, sie sollten sich endlich zusammennehmen und sich ordentlich integrieren, ist wenig hilfreich. Sie sehnen sich nach den prophetischen Stimmen, die ihnen, beglaubigt durch die Kraft aus der Höhe, zusagen, dass sie und ihre Familien, ihre Gemeinde den festen Grund finden werden. Dass sie zu sich kommen und dadurch das Leben in unserem Land reicher, farbiger, schöner machen. Jeremia weiss, dass Gott genau dies will und wirkt.
Von: Benedict Schubert